Ein Lichtblick in dunklen Stunden

An die Genossinnen von Pussy Riot!
en de

Danke für euren ungeheuren Einsatz mit dem ihr euch öffentlich gegen die Verletzung der Menschenrechte wehrt. Danke für euer mitfühlendes Herz, durch das ihr handeln müßt, um gesund zu bleiben.

Partei beziehen für das Leben ist das wichtigste, was unsere Welt gerade braucht! Für das Überleben und den Schutz unzähliger Menschen, Tiere und Pflanzen.

Ich bin Mitarbeiterin in dem Netzwerk von TERRA NOVA – einer weltweiten Bewegung die mit gewaltloser Radikalität ihre Macht einsetzt, um reale Perspektiven aufzubauen in denen das, was ihr in der Strafanstalt erlebt, nie wieder passiert.

Ich habe den Bericht gelesen von Nadeschda Tolokonnikowa und bin fassungslos darüber, daß das wirklich unsere Menschheit ist. Darauf mit Hungerstreik zu reagieren ist radikal und wahrscheinlich eine der einzigen möglichen Schritte in eurer Situation.

Aber, ich kann nicht zulassen, daß du, und so viele Tausende die ähnlich handeln würden, dadurch selber dem Tod zum Opfer fallen.

Wir werden gebraucht! Die wenigen, die überhaupt noch den Mut haben ihre Stimme zu erheben, müssen leben.

Es gibt Erfahrungsberichte von Menschen die das KZ im 2.Weltkrieg überlebt haben. Sie berichten von einer Kraft des Lebens die so stark war, daß sie ihr eigenes Leben schützte. Eine Kraft, durch die sie gegenüber den Angriffen von Außen vollkommen immun waren. Selbst in der schlimmsten Situation.

Sie haben in der Gefangenschaft eine innere Freiheit entdeckt, die unabhängig ist von äußeren Umständen. Für mich ist es wichtig zu wissen, daß diese Kraft existiert und zu lernen, wie ich sie in jeder Situation anwenden kann.

Ich möchte euch zwei Erfahrungsberichte darüber mitteilen. Vielleicht ist das ein kleiner Lichtblick in den dunkelsten Stunden:

Etty Hillesum war eine niederländische Jüdin aus Amsterdam. Sie wurde 1943 im Konzentrationslager in Auschwitz im Alter von 29 Jahren ermordet. Ihr Tagebuch, das sie in den letzten beiden Jahren ihres Lebens schrieb, ist ein Zeugnis von Liebe und Mitgefühl, von Vertrauen in das Leben und einer tiefen Spiritualität. In der dunkelsten Zeit bereitete sie das neue vor, das sie kommen fühlte. Aus ihrem Buch “Das denkende Herz”:

“Das Elend ist wirklich groß; und dennoch laufe ich oft am späten Abend, wenn der Tag hinter mir in die Tiefe versunken ist, mit federnden Schritten am Stacheldraht entlang, und dann quillt es mir immer wieder aus dem Herz herauf – ich kann nichts dafür, es ist nun einmal so, es ist von elementarer Gewalt: Das Leben ist etwas Herrliches und Großes, wir müssen später eine ganz neue Welt aufbauen – und jedem weiteren Verbrechen, jeder weiteren Grausamkeit müssen wir ein weiteres Stück Liebe und Güte gegenüberstellen, das wir in uns selbst erobern müssen.

Wir dürfen  zwar leiden, aber wir dürfen nicht darunter zerbrechen.” 

Satprem war ein französischer Widerstandskämpfer im 2. Weltkrieg und ein spiritueller Sucher. In seiner Gefangenschaft im deutschen Konzentrationslager machte er folgende Entdeckung (aus seinem Buch: Der kommende Atem):  

“Als ich auf einmal aus diesem erschreckenden Nichts in einer unaussprechlichen Freude auftauchte. Auf einmal tauchte ich in etwas ungeheuer Reinem und Starkem auf – stark, verstehen sie. STARK: nichts mehr konnte mich berühren. Eine Kraft – eine Kraft, verstehen sie. Etwas, das mich plötzlich wie unverwundbar machte. Nichts mehr hatte Macht über mich. Das war der erste Kontakt mit .. der Wahrheit, mit dem, was man ist – das, was jeder Mensch ist.

Wenn man diesen Anfang des Seins berührt, berührt man das, was überall zugegen ist. In anderen Menschen, in der Pflanze oder im Tier, man berührt das eigentliche Wesen der Welt.Und das eigentliche Wesen der Welt ist etwas Volles, Mächtiges und – Königliches.”

Ich stehe hinter euch, mit all meiner Kraft und Arbeit.

Ich freue mich darauf, wenn sich unsere Wege einmal treffen werden.

Für unsere Kinder und für die Liebe!

Mara Vollmer

 

 

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