Zukunft ohne Krieg

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Das Massaker von My Lai und das Massaker des Zweiten Weltkriegs… woher kommt dieses Kontinuum der Gewalt? Wie war der Holocaust möglich? Gibt es eine Möglichkeit, die globale Gewalt wirklich und vollkommen zu beenden?

Ich möchte diesem Buch ein persönliches Erlebnis voranstellen:

Vor einiger Zeit traf ich mich mit einigen Frauen zu einem Gespräch. Es war ein warmer Frühlingsabend, wir saßen draußen, umgeben von üppig duftenden Blumen. In der hereinbrechenden Dämmerung erzählt uns Luz Marina aus Kolumbien, ihre Geschichte. Sie ist zum ersten Mal in Europa, kann weder lesen noch schreiben, ist eine Campesina, eine Bäuerin, 50 Jahre alt. Mit 16 wurde sie beinahe umgebracht. Die Machete verfehlt nur um wenige Zentimeter ihren Kopf, trifft ihren linken Daumen, der dabei fast durchtrennt wurde. Ihr Mann und ihr ältester Sohn wurden vor einigen Jahren ermordet. Seitdem sorgt sie allein für sich und ihre sechs Kinder. Die Bauern sind so etwas wie „Freiwild“ für die bewaffneten Gruppen, Militär, Polizei, Paramilitär, Guerilla oder „einfache“ Kriminelle. die in dieser Gegend umher streifen und keiner moralischen Instanz, keinem Gesetz oder Rechtsstaat untergeordnet sind. Über 150 Menschen aus ihrem Dorf wurden in den letzten Jahren ermordet, zum Teil auf sehr grausame Art und Weise.

Doch Luz Marina kann nicht weggehen. Wohin auch? Die Situation ist überall gleich schlimm; hier hat sie zumindest noch ein kleines Stück Boden, auf dem sie das Nötigste zum Überleben anbauen kann.

Das Schicksal von Luz Marina ist das Schicksal von Millionen, wahrscheinlich schon Milliarden von Menschen, die heute auf der Erde leben. Wohin sollen sie gehen?

Die vorliegende „Theorie für eine globale Heilung“ ist in Anbetracht dieser Schicksale geschrieben. Das Buch will Menschen retten. Deswegen verzichtet es auf Schnörkel, auf Anpassung an Trends und Mode. Im Zeitalter von kurzlebigen Werbespots mutet es den Lesern und Leserinnen zu, eine fundierte Theorie zu studieren. Satz für Satz. Gedanke für Gedanke. Es ist die Logik einer wirksamen Hilfe für die Welt.

Das Buch erklärt, warum die Erde heilbar ist.

Es führt uns in den geistigen Raum eines globalen Heilungsprojekts, welches seit einigen Jahren in Tamera, im südlichen Portugal eingeleitet wird. Es werden Texte und Vorträge verwendet, die Dieter Duhm im Rahmen der Friedensschule von Tamera gehalten hat. Wiederholungen waren dabei nicht immer zu vermeiden, um Gedankengänge nicht zu unterbrechen.

Das Buch zeigt die grenzenlosen Möglichkeiten auf, die uns Menschen zur Verfügung stehen, wenn wir neue geistige Ressourcen erschließen. Die Erde, ihre menschlichen Gesellschaften und Krisengebiete, ihre Lebewesen, ihre Atmosphäre, Gewässer und Biotope sind heilbar, genauso heilbar wie der menschliche Leib, sobald wir die Heilkräfte finden, die dazu in der Lage sind.

Auf den ersten Blick erscheint das Vorhaben unmöglich. Doch nach und nach fügen sich die Gedanken zu einer globalen Vision, wie die Teile eines Puzzles, bis das fertige Bild plötzlich sichtbar wird und aufleuchtet. Von da ab kennt man den Weg in eine humane Zukunft und kann ihn unbeirrbar gehen.

Was hier gelehrt wird, ist das Wissen einer neuen Zeit. Es ist das Wissen darüber, dass wir nicht länger trennen dürfen zwischen Theorie und Erfahrung, zwischen geistiger Arbeit hier und alltäglichem Leben dort, zwischen einer objektiven Welt „da draußen“ und einer subjektiven „in uns“. Auch nicht mehr zwischen denen, die in Krisengebieten leben und uns, die wir ein Dach über dem Kopf und einen vollen Kühlschrank haben. Wir alle gehören zu ein und derselben Familie des Lebens. Wir alle leiden an ein und derselben Krankheit. Unsere Heilung, Hilfe für die Dritte Welt, Rettung der Natur sind Aspekte ein und desselben Transformationsvorgangs, dem wir uns anschließen und durch unsere Lebensentscheidungen verstärken können und müssen.

In einem Buch, das für sich in Anspruch nimmt, ein konkretes Konzept für eine Zukunft ohne Krieg vorzulegen, erscheint es mir unerlässlich, auch den Autor ein Stück weit sichtbar zu machen. Wer ist der Mensch hinter diesen Gedanken? Welchen Werdegang hat er durchlaufen?

Der Autor Dieter Duhm wurde im Jahre 1942 in Berlin geboren, mitten im Zweiten Weltkrieg. Er erlebte die Gewalt am eigenen Leib, in den Bombennächten in Berlin, auf dem Flüchtlingstreck nach Süddeutschland und dann in seiner neuen Heimat am Bodensee. Er war ein Fremder, gehörte nicht zum Dorf. Er war noch keine 6 Jahre alt, als einheimische Jungs ihn eines Tages packten, nackt auszogen, an einen Laternenpfahl banden und von oben bis unten mit Teer beschmierten. Sie schlugen seinen Kopf gegen eine Steinkante, immer wieder. Er hatte nichts getan, war nur ein „Fremder“. Sie brauchten jemanden, an dem sie ihre ungerichtete Wut, ihre eigene seelische Heimatlosigkeit auslassen konnten. So erhielt er schon früh seinen ersten Unterricht über das Wesen des Faschismus.

Er war etwa 14, als er zum ersten Mal von Konzentrationslagern hörte. Zunächst wehrte er sich mit allen geistigen Waffen, die ihm zur Verfügung standen, versuchte, sich einzureden, dass die Opfer in Wirklichkeit Verbrecher waren oder dass Erwachsene vielleicht nicht so leiden unter dem Schmerz. Dann fing er an, seine Eltern und ihren Bekanntenkreis auszufragen. Er musste ihnen ziemlich auf die Nerven gegangen sein. Seine Hoffnung, etwas Tröstliches, Milderndes, Schmerzlinderndes zu erfahren, zerrann mit zunehmender Recherche. Es gab keine Tröstung. Auschwitz: das war die Wirklichkeit, jedenfalls ein unausrottbarer Teil von ihr.

Ihm blieb eine letzte Hoffnung: das war vielleicht die Wirklichkeit, ist sie aber nicht mehr. Die Hoffnung verging. Jahre später war er einer der führenden Köpfe der Deutschen Linken in der 68er Studentenbewegung. Gemeinsam mit seinem Genossen kämpfte er gegen Imperialismus und Vietnamkrieg. Er sah die Fotos von vietnamesischen Frauen mit abgeschnittenen Brüsten. Er sah die Bilder von Napalmverbrannten. Er wusste, das ist die Kehrseite der abendländischen Moral und Kultur. Dann erlebte er den Mord an einem Menschen, den seine Genossen für einen Spitzel hielten und erkannte eine elementare Grundtatsache des politischen Lebens: die ideologischen Bekenntnisse sind austauschbar, solange die Charakterstrukturen der Menschen dieselben bleiben. Mit anderen Worten: Solange sie als Kinder unter denselben Bedingungen aufwachsen, solange sie in der Pubertät denselben Konflikten ausgesetzt sind, solange sie als Erwachsene in derselben Qual von unerlöster Sexualität und unerfüllter Liebe leben müssen.

Warum konnte bisher noch keine menschliche Idealgesellschaft verwirklicht werden? Weil der Fehler nicht nur in äußeren Verhältnissen, sondern vor allem in den inneren Strukturen und Denkformen bestand. Man kann aus autoritär geformten Menschen keine freie Gesellschaft aufbauen. Man kann keine gewaltfreie Gesellschaft errichten, wenn die Hass- und Gewaltimpulse im Inneren nur unterdrückt, aber nicht aufgelöst sind. Eine Revolution, die nicht im Inneren stattgefunden hat, kann auch im Äußeren nicht gelingen. Das ist eine Lehre der Geschichte.“

Doch die linke Bewegung nahm diesen Gedanken nicht auf.

Dieter Duhm konnte sich nicht mehr integrieren in die bürgerliche Gesellschaft. Auch mehrere Professurangebote lehnte er ab. Angesichts der globalen Gewalt konnte er nicht zur Tagesordnung übergehen.

Er beschloss, sich auf einen einsamen Bauernhof in Niederbayern zurückzuziehen, um nachzudenken. Das Massaker von My Lai und das Massaker des Zweiten Weltkriegs… woher kommt dieses Kontinuum der Gewalt? Wie war der Holocaust möglich? Wie können sich brave Familienväter über Nacht in KZ-Henker verwandeln? Gibt es eine Möglichkeit, die globale Gewalt wirklich und vollkommen zu beenden?

Seine Eremitage wird zu einer geistigen Zukunftswerkstatt: Er beschäftigt sich mit den unterschiedlichsten geistigen Quellen, mit Nietzsche, Hegel und van Gogh, Rudolf Steiner, Jesus, Lao Tse, Wilhelm Reich, Prentice Mulford, Teilhard de Chardin. Langsam beginnen sich die einzelnen Fragmente des Wissens zusammenzufügen zu einem neuen Gesamtbild, Vorstufe seiner späteren holografischen Überlegungen. Ein neues geistiges Muster formt sich aus Erkenntnissen der Biologie und der Kybernetik, der Psychoanalyse und Mathematik, der Kunst, Geschichte und Theologie. Eine Vision leuchtet auf: Ja, es ist möglich. So könnte Frieden gelingen.

Aus der Vision formuliert er ein politisches Konzept. Es setzt da an, wo Kriege täglich neu entstehen: im Zusammenleben von Menschen, von Mann und Frau, von Kindern und Erwachsenen, Individuen und Gesellschaft, Mensch und Natur. Hier ist eine Veränderung zu schaffen, ein Paradigmenwechsel zu vollziehen. Und zwar nicht nur mit Worten, sondern konkret, in erfahrbarer Lebenspraxis.

Er beginnt, die Idee zu verwirklichen, gründet ein erstes Gemeinschaftsexperiment, erleidet Rückschläge, ist gesellschaftlichen Widerständen, Verleumdungen und Anfeindungen ausgesetzt, vertieft, korrigiert, vervollständigt sein Konzept und beginnt von vorn.

Lange Jahre der Arbeit vergehen, ohne äußerlich sichtbaren Erfolg. Doch er hält durch.

Sein Glaube an jenes innere Lebensmuster, welches er in seinen späteren Schriften als „Heilige Matrix“ bezeichnet, wächst. Auch wenn er sich schon früh vom Christentum und allen anderen Religionen abgewendet hatte, war in ihm ein immer lauteres Gebet um Hilfe und Beistand entstanden. Er wusste nicht, zu wem er betete. Es betete sich von selbst. So fand er zu einem Glauben, der auf Anteilnahme, auf Forschung und Erfahrung beruht, nicht auf übernommenen Dogmen. Vor allem aber war es ein Glauben an den Menschen, an seine Fähigkeit zur Wahrheit und seine Kraft zur Erkenntnis.

1995, nach langen Jahren der Vorbereitung, gründet er schließlich zusammen mit seiner Partnerin, der Theologin Sabine Lichtenfels, dem Physiker Charly Rainer Ehrenpreis und anderen das Zentrum Tamera in Portugal. Heute, nach über 30-jähriger Arbeit, ist das Projekt in eine Phase der Verwirklichung eingetreten, die den anfänglichen Träumen entspricht.

Das Buch ist so etwas wie sein politisches Vermächtnis an die nächste Generation. Möge vor allem die Jugend aller Länder die folgenden Gedanken aufgreifen und mitarbeiten an einer Zukunft ohne Krieg.

Mit einem großen Dank an den Autor für seine unbeirrbare Liebe zur Wahrheit und zum Leben. 

Zukunft ohne Krieg.Theorie der globalen Heilung. Verlag Meiga, ISBN 978-3-927266-22-3

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