Vision schafft Wirklichkeit

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Nach all den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate fühlen wir die starke Aufforderung aus der Welt, die Vision der neuen Kultur noch tiefer zu entwickeln, sodass sie angesichts der sich zuspitzenden Weltsituation feldbildend wirken kann.

Liebe FreundInnen und StudentInnen für Terra Nova!

Wir grüßen euch in aller Welt. Die meisten unserer GenossInnen und MitarbeiterInnen, die im Rahmen des Globalen Campus an verschiedenen Orten der Welt im Einsatz waren, sind inzwischen wieder nach Tamera zurückgekehrt. Wir hören von ihren Eindrücken und bewegenden Erfahrungen aus Israel-Palästina, Kenia, Brasilien, Kolumbien und unserer direkten Umgebung im portugiesischen Alentejo, wo sie zur gleichen Zeit Partnerprojekte besucht und sie beim Aufbau von Autarkie und menschlicher Gemeinschaft unterstützt haben. (Die Berichte der einzelnen Gruppen des Globalen Campus findet ihr auch auf folgender Seite: http://globalcampus.wix.com/globalcampus#!reports/c1d5a)

Neben der lokalen Hilfe für Einzelprojekte wollen wir mit dem Globalen Campus Grundlagen einer neuen Kulturbildung auf der Erde sichtbar machen und stärken. Eine unserer Gruppen war für einen Monat bei der Band „Poesia Samba Soul“ in den Slums von São Paulo. Anfang der 90er Jahre, als die Band zusammenkam, war die Favela, in der sie leben, Schauplatz eines brutalen Drogenkriegs. Inmitten von Armut und Bandenkämpfen haben sie über die Jahre einen Ort der Hoffnung geschaffen. Durch Kreativität, Kunst und Musik helfen sie Jugendlichen, aus dem Drogenhandel auszusteigen und eine Perspektive für ihr Leben zu entwickeln. Uns verbindet eine tiefe Freundschaft mit den Aktivisten aus der Favela. Als Bandleader Claudio Miranda vor vier Jahren zum ersten Mal in Tamera war, entstand in ihm die Vision, die einst „gefährlichste Nachbarschaft der Welt“, wie die UNO ihren Slum vor 20 Jahren nannte, in ein urbanes Zukunftsmodell für Nachhaltigkeit, friedliches Zusammenleben und Gemeinschaft zu verwandeln, in eine „Favela da Paz“ (Slum des Friedens).

Neun Leute aus Tamera begleiteten „Poesia Samba Soul“ für einen Monat unter der Leitung von Vera Kleinhammes, um sie bei der Verwirklichung dieses großen Traums zu unterstützen. Eine Biogas-Anlage und Permakultur-Installationen wurden entwickelt, es fand ein Gemeinschaftskurs statt, künstlerische Projekte wurden angeschoben, etc. Während ihres Aufenthalts kam plötzlich die Nachricht, dass das Zentrum der Band und umliegende Häuser einiger Tausend Menschen womöglich sehr bald geräumt werden und für den Bau einer großräumigen Metro- und Bahnstation geopfert werden sollen. Viele der Armen in den brasilianischen Metropolen müssen im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft und der olympischen Spiele den Plänen zum „ökonomischen Fortschritt“ weichen. Die Frage für unsere Genossen in São Paulo ist jetzt natürlich: Wie geht es weiter? Hat unsere Arbeit eine Zukunft? Kann unser Traum einer „Favela da Paz“ eine größere Kraft haben als der Infrastrukturplan der Regierung? Nicht nur in Brasilien, sondern auch in Israel-Palästina, in Kolumbien und Kenia kamen unsere Gruppen an ähnliche Grenzen einer überall spürbaren Kralle der Globalisierungsmacht. Wir merken sehr deutlich, dass das Thema auf der lokalen Ebene allein keine Lösung mehr findet.

Nach all den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate fühlen wir die starke Aufforderung aus der Welt, die Vision der neuen Kultur noch tiefer zu entwickeln, sodass sie angesichts der sich zuspitzenden Weltsituation feldbildend wirken kann.

Wir wollen deswegen die geistige Spur von „Imagine“ weiterführen und vertiefen – und laden euch zu einer aktiven Beteiligung ein. Das Studium im Dezember möchten wir dem Thema „Visionsbildung“ widmen.

In Tamera werden wir in diesem Sinn in der jetzt beginnenden Adventszeit in einer Trägergruppe zusammenkommen, um eine Art „Masterplan“ für die weitere Verwirklichung des Projektes zu erarbeiten.

Wenn wir den Krieg überwinden wollen, brauchen wir eine konkrete Vision für den Frieden. Die Kraft der Vision ist entscheidend für den Erfolg unserer globalen Friedens- und Heilungsarbeit. Der gegenwärtige Kampf zwischen den Kräften des Lebens und denen der Zerstörung, der sich auf unserem Planeten immer mehr zuspitzt, entscheidet sich daran, ob die weltweiten Friedenskräfte in der Lage sind, eine realistische Vision für eine neue Gesellschaft ohne Gewalt zu entwickeln.

Die Vision ist derjenige Machtfaktor im Leben, der uns befähigt, die alten Strukturen zu verlassen und eine andere Wirklichkeit zu schaffen.

Vision schafft Wirklichkeit. Es ist die Kraft der Vision, die viele der unglaublichen Leistungen im Extremsport möglich macht, „out of limits“. Der französische „Spiderman“ Alain Robert klettert ohne Sicherheitsausrüstung auf die größten Wolkenkratzer der Welt. Mit bloßen Händen steigt er hunderte Meter hohe, teilweise spiegelglatte Fassaden hinauf. Er sagt, dass er vor jedem neuen Gebäude, das er bezwingen will, seinen Aufstieg zunächst bis ins Detail visioniert. Er steht manchmal tagelang vor dem Wolkenkratzer und arbeitet im Geist am Bild des Aufstiegs, bis er es hat. Wenn die Vision ganz bei ihm ist, dann ist er frei von Angst und kann losgehen.

Wir stehen hier vor praktisch unbegrenzten Möglichkeiten. Für unser Leben auf der Erde und im All scheint es eine unendliche Anzahl von Existenzmöglichkeiten und „Paralleluniversen“ zu geben. Die einzige Grenze scheint in unserer eigenen Unfähigkeit zu liegen, diese Möglichkeiten zu sehen und zu nutzen.

Wir senden euch als Studientexte für diesen Monat dazu den Aufsatz „Das große Mögliche“ von Dieter Duhm und einen Abschnitt aus dem Buch „Das Holographische Universum“ von Michael Talbot mit dem Titel „Das Denken als Baumeister“.

Davor noch einige weitere Kerngedanken und Anregungen zum Thema Visionsarbeit:

Eine wirkliche Vision kommt nicht nur aus uns, sondern immer auch aus dem Ganzen der Welt. Die Kraft der Vision macht aus dem Embryo einen erwachsenen Menschen, lässt aus dem Samenkorn einen Baum wachsen und verwandelt die Raupe in einen Schmetterling. In ihr liegt das Informationsmuster, die Blaupause, durch die höhere Kräfte des Lebens und der Schöpfung durch das einzelne Wesen wirken und es zu seiner Verwirklichung führen. Eine Kernaufgabe heutiger Friedensarbeiter besteht im Erlernen des geistigen Sehens, wodurch wir diese Vorgänge bewusst zu erkennen, zu steuern und anzuwenden beginnen.

Prentice Mulford schrieb: „Wer ein Bild seiner selbst im Geiste trägt, eine Vorstellung, die ihn in vollkommener Gesundheit, Kraft und Beweglichkeit zeigt, ruft damit schaffende Kräfte auf, die ihn gesund, kräftig und beweglich machen.
Wie schwach du dich auch fühlst – wenn du deinen Körper von diesem Augenblick an im Geiste als gesund, stark und kräftig siehst und bejahst, dann errichtest du das Geistgerüst eines neuen Leibes, der sich sogleich aus dem alten Körper aufzubauen beginnt und die Elemente der Gesundheit und der Kraft anzieht, die er zu seiner Errichtung braucht.“

Wir können diese individuelle Wirkungsweise auch auf die ökologische und politische Ebene übertragen. Im Jahr 2007 luden wir den österreichischen Permakulturmeister Sepp Holzer nach Tamera ein, um herauszufinden, ob von unserem (damals) von Wüstenbildung betroffenen Stück Land eine Gemeinschaft von 200-300 Menschen autark mit Wasser und Nahrung versorgt werden könnte. Unter den gegebenen Umständen schien das fast unmöglich. Als Sepp Holzer die Frage hörte, lachte er und antwortete: „Wenn ihr nur durch meine Augen sehen könntet…“ Er beschrieb uns das Potential einer übergroßen Fülle, das er jenseits der momentanen Zerstörung in dieser Landschaft sah und schenkte uns das Konzept der „Wasser-Retentionslandschaft“. Überall auf der Welt, wo Sepp Holzer ökologische Beratungen gibt, fokussiert er sich darauf, den „Traum der Landschaft zu sehen“, wie er selbst sagt. In Tamera wirkte dieses Bild so stark, dass der Bau der Wasser-Retentionslandschaft bereits wenige Monate später mit der ersten großen See-Baustelle im Sommer 2007 begann. Heute, sechs Jahre danach, ist der Ort äußerlich kaum wieder zu erkennen – es wächst ein wasserreiches Naturparadies.

Was gibt uns die Zuversicht, trotz der weltweiten Grausamkeiten einer heilen Zukunft hoffnungsvoll entgegen zu sehen? – Es ist die Existenz eines anderen Schöpfungsplans, der genauso real ist wie die letzten 5000 Jahre patriarchaler Gewaltgeschichte. Es gibt diese heile und heilige Matrix trotz allem Leid und aller Verirrung. Wir spüren diese Gewissheit in besonderen Augenblicken und Sternstunden, in denen die „andere Realität“ klar in unser Leben tritt – durch Vertrauensmomente und Liebeserlebnisse, Gotteserlebnisse, Heilungsgeschichten, tiefe Erkenntnisse, unerwartete Versöhnungen oder durch besonderen Schutz bei Unfällen.

Der Mensch ist das „Auge der Schöpfung“ (Huxley). Uns Menschen ist die Fähigkeit gegeben, durch unser Bewusstsein latente Wirklichkeiten zu beleuchten und sie dadurch ins Leben zu rufen. Terra Nova ist eine solche latente Realität. Es ist der neue Traum des Lebens auf der Erde, mit dem die Welt heute „schwanger“ ist.

Damit sich eine freie Erde ohne Krieg und Grausamkeit verwirklichen kann, muss sie von den ersten Menschen gesehen werden. Es kann nur so viel an neuen Modellen und Heilungsbiotopen, nur so viel an angstfreier Liebe, funktionierender Gemeinschaft, heilem Kinderaufwachsen, neuer Ökonomie und Versöhnung zwischen den Völkern auf die Erde kommen, wie es von den ersten Menschen geistig gesehen wird. Darin liegt ein wesentlicher Grund für den Aufbau der Schule Terra Nova. Gemeinsam mit eurer Hilfe an den verschiedensten Orten der Erde wollen wir ein globales Bewusstseinsfeld aufbauen, das uns zum geistigen Sehen befähigt und neue Visionen aktiviert. Die einzelnen Studiengruppen mögen sich in Bewusstseins-“Cluster“ verwandeln, in denen geistige Räume entstehen, durch die sich neue Informationen entwickeln und verbreiten, weltweit.

Aus diesem Hintergrund entstand auch die „Imagine“-Kampagne. Nach dem Global Grace Day, wo die zehn von uns entwickelten Bildern an vielen Orten visualisiert und verbreitet wurden, möchten wir euch einladen, euch selbst an diesem Vorgang der Visionsbildung zu beteiligen. Bitte studiert diese Gedanken – vielleicht inspirieren sie euch, in euren Gruppen die Bilder von „Imagine“ weiterzuentwickeln: Wie viel könnt ihr schon sehen, wenn ihr die Vision auf eure Länder, Städte und Regionen anwendet? Gibt es Bilder der positiven Transformation für den Alentejo, für Lissabon, für den Hunsrück, für Berlin, für Israel-Palästina, usw…? Daraus könnten sich auch Theater- und Kunstprojekte entwickeln. Lasst uns diese heilenden Bildern und Gedanken finden, die uns mit Gewissheit füllen! Eure Beiträge sind herzlich willkommen.

Zum Ende ein Kraftsatz aus den „Quellen der Liebe und des Friedens“ von Sabine Lichtenfels: „Ob ihr verbunden seid mit dem Traum der Welt, erkennt ihr an eurem Kraftzuwachs. Die Verbundenheit mit dem Schöpfungstraum ist immer ein Kraftgewinn.“

Wir grüßen euch in Dankbarkeit für eure Teilnahme.
Auf einen freudigen Studienmonat!

Im Namen der Liebe.
Venceremos!

Martin Winiecki, Monika Berghoff, Nora Czajkowski, Inês Magalhães, Jana Elger

 

 

 

One thought on “Vision schafft Wirklichkeit

  1. Vision
    Die Vision einer neuen Welt
    erfüllt sich in vielen Flammen
    die schon leuchten in der Dunkelheit
    viele Wege schon gegangen
    leiten Energie-
    Sie pulsiert- entsteht immer neu
    vergeht nie- wird durch Freude genährt
    Berührung und Kontakt
    durch die Schlupflöcher des Systems
    Hat sich die wundervolle Kraft fest an den Händen gefasst
    Ein System welches nicht mehr ernstzunehmen ist
    dem Leben nicht mehr dient…
    Wir dienen ihm nicht mehr!
    -bis es verblasst
    weil wir es verlassen
    uns wandeln durch unser Handeln
    Stabilität schaffen durch offene Strukturen
    die mit dem Wandel wachsen, ihn willkommen heißen,
    die das Blockieren überführen
    in gesunde Membranen des Austausches
    So tauschen wir Gedanken
    lösen geistig- körperliche Schranken
    Das Leid ist überwunden
    unsere Mitte in Liebe gefunden
    All dies ist schon da und so wahr ich dies hier sage-
    viele haben es geseh’n!
    Wahres Verstehen geschieht aus dem Herzen, mit dem Sinn,
    das wir Teil des Ganzen sind
    das ist der Moment wo die Heilung beginnt,
    die Vision Wirklichkeit erlangt
    Die Vision-sie liegt in unserer Hand!

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