Nicht schiessen in der Ostukraine!

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In der Ostukraine vollzieht sich ein Ereignis, auf welches die westlichen Politiker nicht eingestellt waren. Ein Ereignis, welches in die Geschichte eingehen könnte...

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DCF 1.0Die Bevölkerung erhebt sich gegen die Befehle ihrer Regierung in Kiew, sie stoppen die Panzer und bitten die hergeschickten Soldaten, die Waffen abzulegen. Die Soldaten zögern, dann tun sie es. Sie weigern sich, auf die eigenen Landsleute zu schießen. Es folgen bewegende Szenen der Verbrüderung in einem Volk, welches sich nicht zum Krieg zwingen lassen will. Die Übergangsregierung in Kiew bezeichnet die Bürgerrechtler im Osten der Ukraine als Terroristen. Sie erkennt nicht die Möglichkeit eines Friedens, der hier exemplarisch stattfinden könnte. Stattdessen schickt sie Panzer in die Städte, um ihre Macht militärisch zu sichern, sie kann nicht anders denken. Die Soldaten gehorchen zunächst den Befehlen, bis sie in ihre Einsatzgebiete kommen und dort keine Terroristen treffen, sondern ein ganzes Volk, welches sich dagegen wehrt, dass Panzer durch ihre Landschaft fahren. Sie wollen keinen Krieg und sehen nicht ein, wofür er geführt werden sollte. – Ja, wofür eigentlich? Sie sind lange von Kiew belogen und betrogen worden, jetzt haben sie keine Lust mehr, der neuen Regierung zu vertrauen. Die meisten von ihnen fühlen sich ohnehin viel mehr zu Russland gehörig als zur Ukraine. Was will eigentlich der Westen? Mit welchem Recht beansprucht er die ostukrainischen Gebiete?

Es ist schwer, in dem Verhalten der Demonstranten in der Ostukraine etwas Falsches zu sehen. Verwirrt steht der Westen vor einem Vorgang, der sich allen politischen und militärischen Kategorien entzieht, weil er sich (mit Ausnahme einzelner Hooligans, die es immer gibt) um einfaches Bürgerrecht handelt. Hier werden alle politischen Optionen des Westens durchkreuzt. Und hinter diesen Optionen stehen handfeste wirtschaftliche Interessen der Rüstungsindustrie, die immer mitbedacht werden müssen.

In der Ostukraine stehen sich nicht nur Russland und der Westen gegenüber, sondern hier handelt es sich um einen grundsätzlichen Konflikt zwischen den Interessen der Politik und denen des Volkes, zwischen der politisch vertretenen Kriegsgesellschaft und der vom Volk vertretenen Zivilgesellschaft. Es ist ein Sieg der Zivilgesellschaft, wenn in der Ostukraine nicht geschossen wird. Es ist ein Sieg der Kriegsgesellschaft, wenn dort ein Krieg beginnt. Krieg: das bedeutet Geld für die Rüstungsindustrie, Festigung der politischen Machtblöcke und Fortsetzung der alten Methoden, Bürgerrechte mit Waffengewalt zu unterdrücken. In unserem Falle steht der Westen mit seinem Propaganda-Apparat auf Seiten der Kriegsgesellschaft, sonst würde er jetzt die ostukrainischen Demonstranten ähnlich unterstützen (gegen die militärische Bedrohung aus Kiew) wie er die Demonstranten auf dem Maidanplatz unterstützt hatte (gegen die Vereinahmung durch eine Russland-freundliche Regierung). Aber unsere offiziellen Medien haben schon beim Krim-Konflikt ein falsches Bild der politischen Verhältnisse suggeriert. Oder wollen sie allen Ernstes behaupten, dass die fast 96% der Bevölkerung, die bei dem Referendum für den Anschluss an Russland gestimmt haben, von Russland dazu gezwungen worden sind? (Dass bei dem Referendum wahrscheinlich russische Agitatoren mitgewirkt haben, ist dem Verfasser bewusst.)

Wenn sich die Demonstranten in der Ostukraine gegen den Westen wehren, dann verteidigen sie ihre ganz normalen Menschenrechte. Sie sind keine Terroristen, sondern mutige Menschen. Sie handeln, wie wir es auch tun würden. Wir wollen mit ihnen zusammen ein Beispiel für den Frieden setzen. Auf dass endlich die Friedenskräfte stärker sind als die Wirtschaftsinteressen der Lobbyisten, die ihre Posten sichern wollen. Lang genug haben sie die Jugend verheizt, um ihre Macht zu sichern. Es waren immer die Interessen der Mächtigen und Reichen, für die unzähligeSoldaten gestorben sind. Möge die Ukraine einen Beitrag leisten, um diesen Wahnsinn zu beenden.

Maidan und Donezk. Hier wie dort geht es um dasselbe: die Befreiung der Menschen von politischer Unterdrückung und Bevormundung. Auf dem Maidan wehrten sie sich gegen den Anschluss an Russland, in Donezk wehren sie sich gegen den Anschluss an den Westen. In beiden Fällen geht es um den Einsatz für die elementaren Menschen- und Bürgerrechte. Es sind die Rechte einer Zivilgesellschaft, die zwischen die Fronten zweier Militärgesellschaften geraten ist. Die Demonstranten, die in Kiew den Maidanplatz besetzten, und die Demonstranten, die in Donezk das Verwaltungsgebäude besetzten, haben dasselbe Herz. Ihnen gilt unsere Sympathie und Solidarität. Die beiden Gruppen können Geburtshelfer eines neuen Zeitalters werden, wenn sie sich gegenseitig erkennen und nicht ideologisch bekämpfen. Sie stehen weltweit in einer Reihe mit anderen Gruppen, die sich entschlossen haben, aus der Kriegsgesellschaft auszusteigen, wie zum Beispiel das Friedensdorf San José de Apartadó in Kolumbien. Mögen sich diese Gruppen gegenseitig finden und verständigen, mögen sie sich vereinigen in einer neuen planetarischen Gemeinschaft des Friedens.

Helft jetzt den Freunden in der Ostukraine! Helft alle mit, dass sie mit friedlicher Kraft durchhalten, dass sie sich weder vom Westen noch von Russland okkupieren lassen. Wir senden ihnen unsere volle Solidarität und rufen ihnen zu:
Bitte haltet durch, laßt euch nicht vereinnahmen, weder vom Westen, noch von Russland. Verzichtet auf Waffen! Die Männer in den Panzern sind keine Feinde, sondern potentielle Freunde. Bitte nicht schießen, verweigert den Krieg, jeden Krieg. Make love, not war. Es wurde schon genug geweint. Die Mütter aller Welt haben genug Tränen vergossen über ihre Söhne, die unnötig getötet wurden. Schenkt euch und euren (zukünftigen) Kindern eine glückliche Welt!

Im Namen des Friedens
Im Namen des Lebens.

Im Namen der Kinder in aller Welt!

 

4 thoughts on “Nicht schiessen in der Ostukraine!

  1. Highly armed and organized paramilitary groups that take over administrative buildings, police stations and other official institutions within few days, without months of hundreds of thousands mostly peaceful protestors like in Maidan, are not civil right activists at any point and definitely not to be compared with the Peace Community of San Jose, which does neither allow arms nor cooperation with armed groups. I absolutely cannot share this analysis. These are not just some hooligans. The situation in the Ukraine is indeed very complex. But how can a state react when the above mentioned happens? It reacted with the offer of amnesty for all who lay down their weapons and a referendum about the status of autonomy for the regions, which was the main demand. It reacted by calling for help by international observers and for an international agreement, while facing 40.000 russian soldiers at their border. And it then sent troups to disarm the militias, acting moderately. There was found an agreement in Geneva, including Russia, which demands the disarming of militias. The eastern ukrainian militias still refuse to be disarmed. No need to call them terrorists, but by no means you could call them civil rights activists nor courageous people that act like we would. Maybe militant nationalists would describe it fairly well. Of course everybody is included in our hearts as they are human beings but how they act right now should be criticized blisteringly. Stop war, lay down your weapons and participate in a peaceful process!

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