Solidarität mit den Demonstranten in Brasilien!

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Aufruf von Terra Nova- Bewegung für eine freie Erde

BrazilWorldCupProtestBrasilien zeigt der FIFA die rote Karte. Seit einem Jahr erlebt die Nation, die den Fussball so liebt wie kaum eine andere, einen beispiellosen Flächenbrand der Empörung. Millionen von Studenten, Arbeitern und Lehrern, Menschen aus der Mittelschicht und aus den Slums erheben sich gemeinsam gegen Korruption, Profitgier und Naturzerstörung im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft. Sie können nicht länger schweigend zusehen, wie Hunderttausende Arme aus ihren Häusern vertrieben werden, um Platz zu machen für Stadien und Infrastruktur, wie Milliarden an Steuergeldern für ein kurzlebiges Sportereignis verpulvert werden, während große Teile der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Es gibt keine ausreichende Gesundheitsversorgung, keine sinnvolle Schulen, keine Perspektive für Millionen von Menschen.

Was die Hochglanzfassade der WM stören könnte, wurde in den Monaten der Vorbereitung von der Militärpolizei gewaltsam ausgeräumt, vertrieben, entsorgt. Kinder, die entführt und in Bordellen oder zweifelhaften Erziehungsheimen verschwunden sind; Kinder, die von nächtlich umherziehenden Todesschwadronen im Schlaf überrascht und kaltblütig erschossen werden (Der dänische Fernsehkorrespondent Mikkel Keldorf, der im Vorfeld über die WM berichten sollte, legte seine Arbeit nieder, als er Zeuge dieses brutalen Vorgehens wurde. Stattdessen hat er die Ereignisse dokumentiert in dem Film: „The Price of the World Cup“). Hinter Weltklasse-Fussball, hinter den Bildern jubelnder Fans, lächelnder Samba-Schönheiten und romantischer Strände steht ein maßloses Unrecht. Stoppt den ganzen Wahnsinn!

Der Widerstand, der sich jetzt in Brasilien erhebt, braucht unsere internationale Solidarität und Unterstützung. Er könnte ein Zeichen setzen für den weltweiten Beginn einer neuen Ära. Ihr Kampf richtet sich nicht nur gegen die FIFA, sondern überhaupt gegen die Vereinnahmung ihres Landes durch die Globalisierung. Die WM liegt auf einer Linie mit zerstörerischen Megaprojekten wie dem Staudamm „Belo Monte“, mit dem riesige Regenwaldgebiete vernichtet und zehntausende indigene Ureinwohner vertrieben werden. Flächen von der Größe Belgiens werden mit nichts anderem als genmanipuliertem Soja bestellt – für Tierfutter in den Industrieländern. Wie kann der Kampf gegen dieses System gewonnen werden?

200.000 Soldaten hat die Regierung jetzt an die Spielorte beordert, um die WM trotz der Aufstände durchführen zu können. Als die Proteste vor einem Jahr begannen, warf ein Polizist bei einer Demonstration in São Paulo seine Pistole ins Feuer und rief: „Schluss! Ich mache hier nicht mehr mit!“ Das Video seiner mutigen Aktion ging um die Welt. Er konnte nicht mehr gegen die Demonstranten vorgehen, weil er wusste, dass das Recht auf deren Seite war.

Überall auf der Welt stehen sich zwei Fronten gegenüber, auf beiden Seiten junge Menschen gleichen Alters: hier die Protestbewegung, dort die Ordnungshüter von Polizisten und Militär. Sie könnten Freunde sein! Es ist nicht persönlicher Hass, der sie zu Feinden macht; es ist die Logik eines vollkommen verdrehten Systems.

Die Revolution kann gewonnen werden, wenn sie verbunden ist mit einem positiven Ziel.

Anstatt die Fehler des Kapitalismus zu wiederholen, könnte Brasilien als aufstrebendes Schwellenland zum Vorreiter einer anderen Form der Entwicklung werden, die Natur und Leben schützt:

Das neue Lebenssystem bildet sich aus einem Netzwerk autonomer Gemeinschaften. Die Menschen haben sich unabhängig gemacht von den großen Versorgungssystemen. Sie folgen der Logik der Natur und nicht mehr den Gesetzen des Kapitals. So steht allen genügend Wasser, Nahrung und Energie zur Verfügung. Sie führen ein Leben in Solidarität mit allen Mitmenschen, in Kooperation mit der Natur und ihren Wesen. Sie haben soziale Systeme geschaffen, in denen Kontakt, Wahrheit und Vertrauen wieder möglich werden, auch zwischen Frauen und Männern. Kinder wachsen auf in Geborgenheit und Vertrauen.

Stellt euch vor, in allen Ländern und Kontinenten würden solche neuen Zentren entstehen. Auch die Großstädte würden sich verwandeln in Richtung sozialer und ökologischer Erneuerung. Polizisten würden nicht mehr gegen Demonstranten kämpfen, sondern sich mit ihnen verbünden, um gemeinsam mit ihnen die neue Welt zu errichten. Eine Welt, die heute greifbar nahe ist, weil wir das dafür nötige Wissen haben.

Für den Aufbau einer kraftvollen Alternative haben wir die Schule Terra Nova ins Lebens gerufen. Sie verbreitet die sozialen, geistigen und ökologischen Grundlagen einer Zukunft ohne Krieg. Nächster Treffpunkt: 1.-10.August 2014 in Tamera/Portugal.
Weitere Information:

Institut für globale Friedensarbeit
c/o Tamera
Monte do Cerro
P-7630-303 Colos, Portugal
Email: igf (at) tamera.org
www.tamera.org

 

One thought on “Solidarität mit den Demonstranten in Brasilien!

  1. Ich danke allen Menschen, die auf diesen wunderbaren Planeten leben, die achtsam mit allen Wesen unserer Mutter Erde umgehen.
    Dazu ein Zitat von Tich Nah Hanh: die Erde ist wie ein riesiger Vogel, der mit uns auf eine wunderbare Reise geht.

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