Ökodörfer, urbane Gemeinschafen, traditionelle Dörfer im Übergang

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Die 19. Konferenz des Global Ecovillage Network (GEN Europe) ging zu Ende. 

Die 19. Konferenz von des Global Ecovillage Network (GEN Europe ) vom 9.-14. Juni 2014 im ZEGG, Bad Belzig bei Berlin ging zu Ende. Es war ein Rekord und ein Meilenstein: Noch nie trafen sich so viele Interessenten und Mitglieder von Ökodörfern, und auch für das ZEGG (Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung – eines der großen Ökodörfer in Deutschland) war es bislang die größte Veranstaltung seiner 23-jährigen Geschichte. 415 Teilnehmer aus 37 Ländern stellten die Weichen der Ökodorf-Bewegung neu. Die Entscheidungen und Themen der Mitgliederversammlung deuten klar in Richtung Wachstum, Öffnung und größere Wirksamkeit der Bewegung auch in die Gesellschaft hinein.

Mit einem dichten Programm aus Vorträgen am Vormittag, Workshops am Nachmittag und Projektpräsentationen am Abend bot die Konferenz Wissensaustausch über die vielfältigen Themen von Ökodörfern: von Lebensmittelautonomie bis zu Entscheidungsfindung und Leitungsstruktur, von Medienarbeit bis zu Kinderaufwachsen, von juristischer Beratung bis zu Liebe und Partnerschaft in Gemeinschaft. Musik, Tanz, Stille und interaktive Elemente gehören zur festen Kultur der GEN-Konferenzen.

Sieben neue Mitglieder wurden während des Treffens aufgenommen, GEN Europe besteht nun aus 58 Einzelprojekten und nationalen Verbänden. Darunter sind auch die neu gegründeten Landesverbände GEN Deutschland und GEN Suisse. Der bisherige Vorstand (GEN-Council) wurde für ein weiteres Jahr bestätigt. Mit dem Schweden Robert Hall wurde ein neuer Geschäftsführer gewählt, der aufgrund seiner Erfahrung in Fundraising- und Lobbyarbeit auf EU-Ebene vielversprechende Perspektiven eröffnen kann. Er kommt für die langjährige GEN Europe Sekretärin Ulrike Schimmel vom Ökodorf Siebenlinden in Deutschland, die sich nach sechsjähriger erfolgreicher Arbeit beruflich verändern möchte. Die zweite GEN-Europe Sekretärin Kosha Joubert vom Ökodorf Findhorn in Schottland wird als zweite Geschäftsführerin ihre Arbeit noch mindestens ein Jahr lang gemeinsam mit Robert Hall weiterführen.

GEN Europe ist das Netzwerk der Ökodörfer, urbanen Gemeinschaften und traditionellen Dörfern im Übergang zu mehr ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit in Europa und im Nahen Osten. GEN Europe organisiert Ausbildung und Wissenstransfer, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und Internet-Werkzeuge. Viele Beispiele von Ökodörfern europaweit zeigen bereits ihr Potential, strukturschwache oder sterbende Regionen wirtschaftlich und sozial zu beleben und sie mit ökologischen und kulturellen Impulsen zu inspirieren. Oft werden Ökodörfer zu Lebens- und Lernzentren ihrer Landkreise.

So sieht es auch der Vertreter der Stadt Bad Belzig, Dr. Christian Kirchner. In seinem Geleitwort sagte er: “Das ZEGG ist fester Bestandteil und guter Freund von Bad Belzig geworden. Als Kurort sehen wir uns ebenfalls in der Pflicht, mehr Ökologie und Nachhaltigkeit zu wagen, die ZEGG-Gemeinschaft ist für uns dabei ein wichtiger Partner.”

Macaco Tamerice, Präsidentin von GEN Europe und Vertreterin von Damanhur in Italien, sagte: “Jede Region sollte ein Ökodorf haben. In meiner Vorstellung besteht das Europa der Zukunft aus einer Vielzahl von unabhängigen Regionen und sehr vielfältigen und unterschiedlichen Gemeinschaften, die untereinander vernetzt sind.”

Robert Hall: “Die Zeit, wo Ökodörfer Aussteigerprojekte waren, ist vorbei: Als aktive Teilnehmer und Gestalter der Zivilgesellschaft prägen sie die Zukunft mit. In Brüssel wird dies derzeit von Entscheidungsträgern erkannt, die Türen für eine Kooperation mit GEN und Ökodörfern stehen weit offen.”

Darüber hinaus weist das Engagement von GEN Europe in die Welt, vor allem in den Globalen Süden. Mehrere Ökodörfer, darunter Tamera in Portugal, Damanhur in Italien, Findhorn in Schottland und Schloss Tempelhof in Deutschland pflegen aktive Partnerschaften mit Ökodörfern in Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten.

Geschäftsführerin Kosha Joubert, die außerdem Präsidentin von GEN-International ist: “Viele Menschen in Ökodörfern empfinden, dass wir Europäer eine Vergangenheit zu heilen haben, die Auswirkungen von Kolonialismus und Sklaverei sind immer noch ein schwieriges Erbe. Die Hilfe, die Ökodörfer im globalen Süden leisten können, ist nie einseitig oder kurzsichtig. Wenn Vertreter unserer Partnerorganisationen zur Ausbildung nach Europa kommen, dann finden sie keine Hochglanzkulturen vor, sondern Menschen, die ihr Bestes tun für einen niedrigen ökologischen Fußabdruck und für ein gemeinschaftliches Leben. Die Erkenntnis, dass es ein anderes Leitbild geben könnte als die moderne Konkurrenzgesellschaft, ist mindestens ebenso wichtig wie alle ökologischen Techniken zur Lebensmittelautarkie, Abwasserreinigung oder Solartechnologie, die sie in den Ökodörfern vorfinden.”

Angesichts des aktuellen Konfliktes in Nahost ging der mit 1.500 dotierte Ökodorf-Preis “Ecovillage Excellency Award” in diesem Jahr nach Palästina: In ihren Vorbereitung zur Gründung von GEN Palestine unterstützt und vernetzt Aida Shibli Bauern, Studenten und Frauengruppen, die Nachhaltigkeitswissen lernen und austauschen. Auf einer Farm in Tulkarem, im Schatten der Mauer, entsteht ein viel beachtetes Lernzentrum mit Solartrocknern, Mini-Biogasanlagen und Permakultur. Aida Shibli: “Der Preis ist ein großes Signal der Hoffnung für uns Palästinenser. Ich möchte das Preisgeld dafür einsetzen, das Netzwerk unter den alternativen Bauernhöfen und Lernzentren in Palästina zu stärken.”

Der zweite Preis ging nach Rumänien in die junge Gemeinschaft “Aurora”, die in ihrer knapp zweijähriger Existenz viele Ansätze für Nachhaltigkeit und kulturelle Wiederbelebung der abgelegenen Region zeigt.

Die nächste GEN-Europe-Konferenz findet im Juli 2015 in Findhorn statt – zum 20. Jubiläum wird GEN an seinen Gründungsort zurückkehren.

Zuvor, vom 10.-14. Dezember 2014, findet der Internationale Gipfel der Ökodörfer (GEN International) in Dakar, Senegal statt.

(Leila Dregger)

 

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