Wir weigern uns Feinde zu sein

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Ein Friedensforschungsdorf statt Bomben – Ein Aufruf zu zivilem Ungehorsam!

Minolta DSCEs begann mit der Ermordung von drei jungen israelischen Siedlern Eyal Yifrach, Gilad Shaar und Naftali Frenkel. Es war ein abscheulicher Mord, so wie jeder Mord abscheulich ist.
Die Reaktion der israelischen Regierung auf diese Tat war die gezielte Bombardierung von Gaza, wo 1.8 Millionen Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht wohnen, in einem grossen Gefängnis. (Der Gazastreifen ist etwa halb so gross wie Hamburg.)
Die Hamas reagiert mit wahllosen Raketenbeschüssen auf Israel. Hätten sie die technische Ausrüstung dazu, würden sie sicher genauso grausam gegen Israel vorgehen, wie jetzt Israel gegen Gaza kämpft. Aber sie haben sie nicht und jeder weiss das. Das zeigen schon die bisherigen Zahlen der Todesopfer. Nach palästinensischen Angaben wurden seit Beginn der israelischen Militäroperation am 8. Juli 333 Menschen getötet, darunter 73 Kinder. Mehr als 2000 Menschen wurden verletzt, Kinder, schwangere Frauen und unschuldige Zivilisten. Bisher gab es auf israelischer Seite wenige Verletzte und sieben Tote. Es fühlt sich an, als würde David gegen Goliath kämpfen. Schlagzeilen wie “Israel unter schwerem Beschuss” stellen die Tatsachen auf den Kopf.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte gegenüber Journalisten in Tel Aviv vor wenigen Tagen: “Kein internationaler Druck wird uns daran hindern, mit aller Macht zu handeln”. Die Regierung Israels hat die Macht auf ihrer Seite und könnte diesen Krieg sofort beenden, wenn sie den Menschen in Gaza eine humane Lebensmöglichkeit geben und nicht weiter den ohnmächtigen Hass schüren würde. Stattdessen begannen die israelischen Streitkräfte eine Bodenoffensive. Zehntausende Palästinenser im Norden und Osten des Gazastreifens mußten ihre Häuser verlassen. Die Grenzen sind geschlossen. Verzweifelt sind die Menschen auf der Flucht. Wo sollen sie hingehen? Ist es ein Wunder, dass sie sich in dieser Not auf die Seite der Hamas stellen?
Die Reaktion der israelischen Regierung ist für jeden, der hinschaut, nicht zu ertragen und schon gar nicht zu rechtfertigen. Wir haben kaum noch Worte für dieses sinnlose Morden, dem wir jetzt seit zwölf Tagen zuschauen. Wir können nicht mehr schweigen.
Dies alles geschieht mit der Suggestion, daß die Hamas der gefährliche Angreifer sei und Israel sich verteidigen müsse. Die ganze Medienpropaganda folgt dieser Inszenierung. Hier wird eine Zivilbevölkerung auf beiden Seiten belogen, und die Weltöffentlichkeit schweigt dazu! Man muss politisch nicht besonders gebildet sein, um diese Unwahrheit zu fühlen! In Wahrheit stehen hinter jedem Krieg wirtschaftliche Interessen. Deutschland und viele andere liefern Waffen und bereichern sich daran. Wer sitzt an den Betten der verletzten Kinder und der weinenden Mütter und nimmt Anteil an ihrem grausamen Schicksal? Wer heilt die Wunden und die Schmerzen der traumatisierten Seelen?

 

Die meisten Menschen auf beiden Seiten wollen diesen Krieg nicht. Sie stehen unter der Hypnose der Angst. Unsere Kinder und Enkel werden uns eines Tages fragen: Warum habt ihr geschwiegen und diesen Wahnsinn zugelassen? Es ist dieselbe Frage, die einige von uns an ihre Eltern gestellt haben, nachdem wir entdeckt hatten, dass sie irgendwie an dieser jüngsten Epoche des Faschismus beteiligt gewesen sein müssen. Soll unsere Antwort wieder so lauten wie die ihrige: “Wir haben das ja alles nicht gewusst! Und was hätten wir denn tun können?” Dieser Spuk muss jetzt definitiv ein Ende haben. Dieser Krieg ist keine lokale Angelegenheit mehr, er geht uns alle an.
Lasst uns ein Zeichen setzen! Austreten aus der Ohnmacht. Austreten aus der Hypnose der Angst. Am liebsten würden wir mit vielen gleichgesinnten Israelis ein Lazarett für alle Verletzten in Gaza aufbauen, aber man wird uns kaum über die Grenze lassen. So aber denkt das anteilnehmende Herz! Etwas Ähnliches hätten unsere Eltern unter Hitler tun müssen, damit wäre manch einem Opfer in den Konzentrationslagern sein grausames Schicksal erspart geblieben! Etwas Entsprechendes müssen wir heute tun. Tausende gehen bereits auf die Strasse mit dem Aufruf: “Wir weigern und Feinde zu sein!” Es sollen mehr werden, viel mehr! Wenn es uns gelingt, das weltweit verbreitete Gefühl der Ohnmacht zu transformieren, werden wir staunen darüber, was für eine Handlungsmacht des Friedens uns schon jetzt zur Verfügung steht. Das internationale Machtsystem rechnet mit unserer Ohnmacht. Nur auf Grund dieser Angsthypnose ist es möglich, dass immer mehr Gräueltaten weltweit geduldet werden. Ich wende mich mit diesem Aufruf auch an alle Offiziere und Befehlshaber. Viele von euch wissen schon lange, dass dieser Krieg nicht mehr im Namen ihres Volkes geführt wird. Viele von euch sind seit langem auf der Suche nach einer humanen Alternative. Verweigert den Befehl zum Töten! Macht einen Schritt, der den Politikern ein deutliches Stop setzt, so wie bei der Nelkenrevolution in Portugal am 25. April 1974, als das Militär seine Waffen niederlegte, weil es nicht mehr bereit war, eine Diktatur zu stützen. Lasst nicht zu, dass Politiker auf dem Rücken unzähliger unschuldiger Frauen, Kinder und Bürger einen Machtkampf der Wirtschaft durchführen.
Der grösste Teil der Bevölkerung würde auf die Frage: “Wollen Sie Krieg oder Frieden?” antworten: „Wir wollen Frieden, aber was können wir allein schon tun?“ Wenn es uns gelingt, diese Menschen in einer Initiative zusammenzuführen, wenn es uns gelingt, das Wissen und die Vision sichtbar zu machen, die mehr Macht in sich trägt als die Globalisierung der Gewalt, so wird dies einen entscheidenden Drehpunkt in der Friedensbewegung herbeiführen.

Wir haben jetzt die Aufgabe, glaubhafte Alternativen aufzuzeigen; wir haben die Aufgabe, eine kraftvolle, lebensfreudige und gewaltfreie Revolution einzuleiten, die für uns alle realisierbar ist. Austreten aus dem System der Mittäterschaft, einsteigen in ein System des Friedens. Dies verlangt eine Umstellung aller Lebensgewohnheiten, eine tiefe persönliche Entscheidung. Seit vielen Jahren arbeiten wir an einem Lebensentwurf für eine Zukunft ohne Krieg. Wer gegen den Krieg ist, braucht eine Vision für den Frieden. Der Aufbau dezentraler autarker Modelle, ist an vielen Orten dieser Erde verwirklichbar. Wir rufen auf zu einem grossen Friedensthinktank! Mitten in der Wüste und an verschiedenen Orten in der Westbank möchten wir diese Vision sichtbar machen und die Freiheit des Menschen zu seinem Recht erheben. Wir rufen Fachkräfte aus allen Bereichen zusammen: Ärzte, Wasserexperten, Ökologen, Technologen, gemeinsam machen wir vollkommen neue Gesellschaftssysteme sichtbar.
Unser Ziel: Mindestens zweihundert engagierte FriedensarbeiterInnen kommen für mehrere Tage an einem Ort zusammen, Israelis, Palästinenser und Internationale aus aller Welt. Wir wollen zeigen, wie unter den gegebenen Bedingungen eine machtvolle Alternative aussehen könnte. Wir kündigen unsere Zugehörigkeit zu einem Staatssystem, welches zu seiner Erhaltung Waffenhandel und Kriege braucht. Wir deklarieren uns als Weltenbürger für den Frieden, wir sind Planetarier!
Wir veranstalten mitten im Kriegsgebiet eine mehrtägige Mahnwache für den Frieden.
Für diejenigen, die nicht selbst dabei sein können: beteiligt euch an der Initiative! Verbreitet die Nachricht! Schützt uns durch eine grosse Öffentlichkeit! Verbreitet die Nachricht von Terra Nova – ein anderes Leben ist möglich. Die kommende Sommeruniverstät in Tamera wird unsere Arbeit aus der Ferne begleiten und dafür sorgen, dass diese Aktion die notwendige Öffentlichkeit erhält.
Wir rufen Investoren auf: investiert nicht länger in Krieg und Waffen, investiert in den Frieden. Gemeinsam arbeiten wir an der grossen Vision: Terra Nova! Wir verwandeln ein Krieggebiet in eine Friedensforschungsstation. Ein Friedensforschungsdorf statt Bomben!
Wir laden alle ein, die bereit sind, den inneren und den äusseren Krieg zu verlassen. Beteiligt euch an dieser Initiative!

 

2 thoughts on “Wir weigern uns Feinde zu sein

  1. Vielen Dank für diese Initiative!
    Sie erfüllt mich mit Demut.
    Ich möchte mit folgenden Worten und einem Gedicht darauf antworten:
    Sind wir nicht alle gemeinsam Menschen?
    Wir KÖNNEN uns entscheiden mit dem Kämpfen aufzuhören, es bedarf nur dieser Entscheidung.
    Ich rufe alle Soldaten Politiker und Wirtschaftsführer auf tief in ihr Herz zu blicken und den Schmerz zu sehen, vielleicht können sie dann auch die Liebe erkennen.

    Der Frieden in mir

    Es gibt einen Ort in mir
    wo der Krieg keinen Sinn hat

    Es gibt diesen Ort in mir
    wo Mitgefühl trägt

    Dieser Ort ist in mir
    wo niemand verachtet wird

    Da ist ein Ort in mir
    der sich frei anfühlt

    Der Ort, der in mir ist
    ist auch in Dir

    Diesen Ort nennen wir Frieden

  2. Ich bin sehr froh, dass Ihr diese Aktion startet. Bittet haltet die Öffentlichkeit auch weiter darüber auf dem Laufenden …
    allerdings, wann soll das genau stattfinden?
    Sicher kennt Ihr die Jewish Voice for Peace (www.jewishvoiceforpeace.org), ich bin beeindruckt, dass sie durch ihre e-mail-aktion geschafft haben, dass ein reporter des amerikanischen Senders NBC nicht aus dem Gaza-Streifen abgezogen wurde, das war vor drei Tagen.
    Ich bin bei Euch, die Arbeit ist wichtig und der Planet braucht das …
    Grüße
    Maria

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