Der marianische Kulturimpuls

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Weihnachtsansprache
zu einem neuen Verhältnis von Frau und Mann 
Wenn ich mich mit der Geschichte Jesu befaße, dann merke ich, wie es in meiner Seele im Untergrund zwei Strömungen gibt. Die eine ist voller Hingabe und möchte sich noch einmal ganz mit diesem innigen Glauben verbinden, den ich als Kind zu Weihnachten erlebt habe. Bei der anderen beginnt sich alles in mir zu wehren. Sie erinnert mich an die Kirchengeschichte. Ich denke an Inquisition und Hexenverfolgung, an falsche Frömmigkeit und endlose Qual.
Und ich spüre, aus welchem Grund erwachsene Menschen an keinen Gott mehr glauben können und wollen. Gleichzeitig möchte ich aber diesen heiligen Aspekt im Leben wiederfinden und pflegen.
Ich möchte heute eine Stelle aus der Weihnachtsgeschichte  lesen (Lukas, 2:1):
„Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzet würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit da Kyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Josef aus Galiläa in der Stadt Nazareth in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem. Darum, daß er von dem Haus und Geschlechte Davids war und daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Herden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren sprachen die Hirten untereinander: „Lasset uns nun gehen nach Betlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“ Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
Was bedeuten diese Worte für mich als Frau heute?
Ich möchte etwas ausholen, um darauf eine Antwort zu geben:

Weihnachten ist ein Fest, daß es schon lange, lange gab, bevor Jesus Christus geboren wurde. Weihnachten ist ein Urfest der Göttin, ein Fest der Weihe.
Während der ersten drei Jahrhunderte kannte die christliche Kirche den Tag der Geburt ihres Heilands noch gar nicht. Man wußte nicht, an welchem Tag Jesus geboren wurde. In der armenischen Kirche wird bis heute der Geburtstag Christi an Epiphanius gefeiert. Das war der Tag des Koreion, an dem die göttliche Jungfrau den neuen Aion gebar.
Dann hat man sich entschieden, Weihnachten am Tag des Mittwinterfestes des Mithrakultes zu feiern. Mihtra, das war der persische Heiland, der in den ersten vier Jahrhunderten im Römischen Reich den größeren Erfolg hatte, als der christliche Glaube. Mithra wurde am 25. Dezember geboren und sie nannten es den Geburtstag der unbesiegbaren Sonne. Mithra kam in einer Höhle zur Welt. Ein Schäfer und drei Weisen kamen zu Mithras Geburt und brachten Geschenke in seine heilige Felsen-Geburtshöhle. Auch Mithra vollbrachte Wunder, weckte Tote zum Leben, ließ Blinde wieder sehen und Lahme wieder gehen und trieb Teufel aus.
Als Peter, der Sohn der Petra,trug er die Schlüssel des himmlischen Königreiches. Sein Triumph und Aufstieg zum Himmel wurde zur Zeit der Frühjahrssonnenwende gefeiert, also zum heitigen Ostern. Bevor er zum Himmel zurückkehrte, nahm er mit seinen zwölf Jüngern ein letztes Abendmahl ein.
Doch auch der Mithraskult war bereits eine patriachale Religion, von der Augustin sagte , dass in ihr dieselbe Gottheit verehrt wurde wie bei den Christen. Ganz früher scheint es eine weibliche Mithra gegeben zu haben. Herodot sagt, die Perser haben eine Himmelgöttin Mithra verehrt, die Große Mutter Assyriens. Es wurden am 25. Dezember, also am ersten Weihnachtsfeiertag, auch Götter wie Attis, Dionysos, Osiris, der syrische Baal und andere Versionen des Sonnengottes gefeiert. Die meisten heidnischen Mysterienkulte feierten die Geburt des göttlichen Kindes zur Wintersonnenwende. Sie nannten die Nacht der Geburt den „Heiligen Abend“ oder „die Nacht der Mutter“. Erst zu Beginn des vierten Jahrhunderts nach Christus übernahm die römische Kirche den 25. Dezember als den Weihnachtstag, den Tag der Geburt Christi, weil die Menschen es gewohnt waren, diesen Tag als den Geburtstag Gottes zu feiern. Die Christen in Jerusalem weigerten sich lange, diesen Tag als Weihnachtstag zu akzeptieren.
Viele unserer weihnachtlichen Bräuche, – z.B. der Weihnachtsbaum, die Geschenke, die Kerzen, das Weitergeben der Mistelzweige oder der Stechplamensträucher, die Lieder und die Feier, – kommen aus der ursprünglichen Verehrung der Göttin, als der Mutter des Kindes. Hier geht es ganz tief um das Verhältnis von Mutter und Sohn.
Auch ein weiterer heidnischer Glaube hat sich durchgehalten, nämlich der Glaube, daß Heiligabend, in der heiligen Nacht, um zwölf Uhr zu Mitternacht die Tiere sprechen können. Man glaubte daran, daß zu dem Zeitpunkt, wo sich Himmel und Erde, Gott und Göttin, besonders nah berühren, etwas Neues geboren wird und man die Sprache aller Wesen verstehen kann, auch die Sprache der Tiere.

Ich komme noch einmal zurück auf die Weihnachtsgeschichte. Hier steht:
„Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.“
Man kann diesen Satz auch so verstehen, daß das Kind selber gesprochen hat. Als ich diese Geschichte vor kurzem wieder hörte, fiel mir schlagartig ein Traum ein. Er war so intensiv, daß ich ihn am nächsten Morgen es war am 29. November – in meinem Tagebuch geschrieben habe.

„Ich träume, ich bin auf einem Schiff. Ich habe ein Kind auf dem Schoß, ein Säugling, ein paar Monate alt. Plötzlich fängt dieses Kind an zu sprechen, und ich kann seine Sprache voll verstehen. Ich bin vollkommen verwundert und sage:
„Heh, du kannst ja sprechen.“
Das Kind lacht und sagt: „Ja, für diejenigen, die ihre Kinderseele wieder ganz in sich entdecken, ist es einfach, meine Sprache zu verstehen und überhaupt alle Sprachen.“
Und es fährt fort, mir Zusammenhänge zu erklären, Zusammenhänge der Welt, die Funktionslogik zwischen Himmel und Erde. Es sagt: „Wenn ihr unter euch Menschen das Vertrauen wieder ganz gefunden habt, wird sich die Logik verändern. Es wird eine ganz neue Logik geboren.“
Ich bin sehr heiter in diesem Traum und sage:
„Ja, wenn das so ist, dann muß ich mich ja nur hinlegen wie du, voller Vertrauen, und alles genau wahrnehmen, dann kommt alle Erkenntnis zu mir.“
Mir wird leicht ums Herz, ein Glücksgefühl breitet sich aus und eine Vorfreude auf eine neue Geburt. Es ist ein ganz tiefes Grundgefühl in mir, vielleicht ist das gemeint in der Bibelstelle: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“ Soweit der Traum.
Es ergibt sich ein neues Bild für das glaubende Herz, wenn man diese kindliche Seele in sich wiederfindet und weiß, diese Seele ist der „Schöpfer aller Ding“. Das, was so klein und zerbrechlich in der Krippe liegt, diese neue Sprache, möchte entdeckt werden.
„Und Maria aber hörte all diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“

Die anderen wunderten sich der Rede, aber verstanden sie nicht. Sie sprachen zwar überall davon, was „von dem Kinde gesagt wurde“, sie missionierten, sie verkündeten, aber sie verstanden nicht.
Es wurde ein Christentum geboren, eine christliche Kirche, die mit dem, was dieses kleine Kind in der Krippe gesagt hatte, nicht übereinstimmte. Es wurde eine Botschaft vermittelt und von Generation zu Generation weitergegeben, die mit dem „Christusimpuls“, der dort geboren wurde, kaum etwas gemeinsam hat.

„Maria aber bewegte diese Worte in ihrem Herzen.“
Hier agiert die Göttin, die diese Worte aufgenommen hat und nun, symbolisch gesprochen, noch einmal schwanger wird. Schwanger mit einem neuen Kulturimpuls, der aus dem Herzen kommt und zur Geburt kommen möchte.
Die erste Geburt war eine leibliche Geburt: Gott wurde Leib.
Jetzt kommt die Geburt des Herzens und der Sprache: Die Worte wurden im Herzen bewahrt.

Die Frauen, die so lange geschwiegen haben in der Kulturgeschichte, müssen jetzt anfangen, die Worte aus ihrem Herzen neu zu gebären. Ein neuer Kulturimpuls ist ausgebrütet. Er berührt ein neues Verhältnis von Mutter und Sohn, das eine große Heilkraft haben wird.
Das Christuskind hat Maria von einem neuen Kulturimpuls erzählt, der zur Geburt kommen möchte und die Muttergöttin bewahrt diese Worte lange in ihrem Herzen. Durch die lange Zeit des Patriarchats hindurch hütet sie im Stillen diese Worte, bis die Zeit gekommen ist, um darüber sprechen zu können.

Wir Frauen haben lange geschwiegen. Wir mußten lange schweigen.
Jetzt aber ist es Aufgabe der Frau, die das Wort in ihrem Herzen kennt und bewahrt hat, zu sprechen. Sie wird von der Hüterin eines neuen Kulturimpulses zur Verwirklicherin, indem sie es wieder lernt, die Worte, die dieses Kind zu ihr sprach, zu sich zu nehmen, sich zu eigen zu machen.
Diese Worte sind nicht mehr nur die Worte eines kleinen Kindes. Es ist ein großer Wissenschatz, der hier auf Abruf wartet, eine tiefe Weisheit, Schöpfungswissen.
Das, was Maria jetzt tut in ihrer weiblichen Rolle als Botin der Göttin, das ist ganz entscheidend dafür, ob diese Worte einer neuen Kultur zum Erfolg kommen können oder nicht. Es ist eine Botschaft, die jetzt in uns Frauen verstanden und ausgesprochen werden will.
Es geht um ein neues Verhältnis zwischen der Göttin und ihrem Messias.
Die heilende Botschaft liegt nicht mehr nur darin, daß der Messias geboren wurde, daß er da vor uns liegt in seiner Krippe, „elend, nackt und bloß,“ wie es in einem Kirchenlied heißt. Die Heilsbotschaft liegt jetzt vor allem in dem neuen Verhältnis von Göttin und Gott. Dieses Verhältnis birgt den neuen Kulturimpuls in sich. Nur, in dem Maria ihre ganze Herzkraft und ihre ganze Schutzkraft diesem Kind gibt und sich der Größe bewußt ist, die sich in diesem Kind entfalten möchte, kann sie erfaßen, was da neu geboren werden möchte. Es ist der Kulturimpuls einer neuen männlichen Liebe, die in Christus verkörpert ist.

Was ist das Besondere an diesem neuen Kulturimpuls?
Er verkörpert die Liebe statt dem Gesetzesdenken.
Er verkörpert Vergebung statt Strafe.

Der männliche Schöpfungsaspekt ist nicht mehr länger rein geistiger Natur, sondern Gott, der Geist, hat sich elementar verleiblicht. Gott wurde leiblich.
Wieviele Jahrhunderte brauchen wir noch, um das ganz zu verstehen? Die Erlösung für den Menschensohn liegt wesentlich in der Tatsache, daß sich das Geistige verleiblicht hat. Das Göttliche ist im Leib zu finden.
„Das Wort ward Fleisch.“ (Joh. 1:14)
„Du bist mein Haus, bist meine Bleibe, bist meine Heimat für und für,“ sagt Gott zu Therese von Avila, die in ihrem Leben so heftig darum gerungen hat, ihr weibliches Wissen weiterzutragen in einer dunklen Zeit, in der alles Weibliche verachtet wurde.
Es geht um eine Neufindung des Menschen.
So elementar ist der Satz gemeint:
„Und das Wort ward Fleisch und wohnte mitten unter uns.“

Weihnachten bedeutet, diese elementare Selbstverständlichkeit zwischen Mensch und Gott wiederzufinden und zu feiern.
Durch ein neues Verhältnis von Müttern zu ihren Söhnen kann eine Kultur zum Tragen kommen, in der sich der Mensch wieder in seiner Größe begreift.
Normalerweise versuchen Mütter, immer genau den Aspekt in ihren Söhnen klein zu halten, der eigentlich groß ist.
Doch Kinder sind von Anfang an göttliche Wesen und bringen ein großes Wissen mit sich. Es ist ein Wissen aus der jenseitigen Welt. Wir Frauen müssen dieses Wissen wieder hüten. Unsere Kinder sollen das wieder sagen dürfen, was sie noch erinnern von der Welt „da drüben“.
Viel zu lange haben wir viel zu früh in unsere Welt geholt, sie als unwissende Babies behandelt, die man erziehen muß, statt ihre Göttlichkeit zu sehen und zu stärken.
In der Geschichte des Patriarchats wollten Mütter ihre Söhne viel zu früh zu starken Männern machen. Sie schützten nicht das, was da eigentlich geschützt werden möchte im Kind. Sie schützten nicht die Geburt einer neuen göttlichen Kraft. Mütter erziehen ihre Söhne zu funktionierenden Figuren in einem System, in dem Gott im Menschen, kein Haus und keine Bleibe hat.

Der neue Kulturimpuls im Kind sagt: „Ich bin sehr zerbrechlich und brauche deinen ganzen Schutz. Mach dein Haus zu einem Wohnhaus der göttlichen Kraft.“ Und Maria weiß, was zu tun ist, denn sie hat die Worte in ihrem Herzen reifen lassen.
Wird das Menschenbewußtsein zum Herzen geführt, betreten wir einen anderen Bewußtseinszustand, der heilt und sehr viel Kraft hat.
Das Gotteskind spricht weiter: „Höre meine Worte und laß nicht zu, daß ich totgeredet werde. Damit du meine Sprache immer mehr verstehen lernst, mußt du in dir selbst die kindliche Seele schützen, die nicht klein ist, sondern groß. Die neue Kultur, in welcher der Christusimpuls wirken kann, ist die Kultur der Liebe, der Wahrheit und des Vertrauens.
Das alte Bild des starken Mannes, des Tyrannen und Herrschers muß sich läutern, damit etwas vollkommen Neues geboren werden kann. Dieser Schritt ist nicht zu vollziehen durch Gesetz und Todesstrafe. Negativität wird nicht geheilt durch Vernichtung, nicht durch erneute Negativität, sondern allein durch Transformation. Es ist der tiefe Glaube daran, daß die Weltengemeinschaft miteinander verbunden ist, daß das Schicksal einer Person untrennbar verbunden ist mit dem Schicksal aller anderen. Auf dieses Wissen hat sich Maria vorbereitet in ihrem Herzen.
Und die Stimme spricht weiter zu ihr:
„Du musst eine Bleibe schaffen, eine menschliche Umgebung, in der sich die Herzen wieder öffnen können für den Gedanken der Vergebung.“
Das ist Aufgabe der weiblichen Göttinnenkraft, diese Geburtsstunde zu verwirklichen. Da, wo der Christusimpuls im Menschensohn wirken möchte, da wird er zunächst klein und zerbrechlich, selbst im stärksten Mann. Und da, wo diese Stelle im Mann jetzt ganz den weiblichen Schutz und die Vergebung erfährt, da kann Heilung eintreten.
Die christliche Tradition verfolgt bis heute den Gedanken der Bestrafung für die Bösen und der Belohnung für die Guten. Der Tag des jüngsten Gerichtes.
Doch wieviel endloses Leid, wieviel Schmerz und Grausamkeit wurde im Namen des Guten angerichtet? In Kampf gegen das Böse gab es bald kein „Gutes“ mehr.
In einer Kultur, in der die Sprache des liebenden Herzens gesprochen wird, setzt der Augenblick der Wahrheit da ein, wo das Herz vergebend die Ereignisse der Geschichte betrachtet, aber auch erkennend, wodurch die Veränderung sich vollziehen wird. Das menschliche Bewusstsein wird emporgehoben und verfeinert, bis die Liebe zur stärksten Kraft geworden ist.
In diese Welt zurückzukehren, bedeutet die Trennung aufzuheben, zwischen Gut und Böse, zwischen spiritueller und materieller Welt, zwischen Gott und Fleisch.
Statt uns anzustrengen, um uns von Begierde und Sexualität zu befreien, wie es das Christentum gepredigt hat, sollten wir die fatale Verbindung von Sexualität und Gewalt auflösen und verstehen, was es heißt, dass das Wort Fleisch ward.
Maria, die aus dem Herzen spricht, wird die Heiligkeit des leiblichen Lebens auf allen Ebenen bejahen und pflegen. Sie wird die sexuelle Freude wieder bejahen. Warum sollte der Mensch seine Kräfte einsetzen, um den Ruf seines Körper zu überwinden, wo er doch gerade ganz neu Mensch geworden ist? Wie lange wollen wir diese Gottwerdung im Menschen noch bekämpfen? Lange Zeit hat die Religion dazu gedient, die nicht gelösten menschlichen Themen zu verdrängen.

Als Frau bin ich ein Teil der Göttin, Teil der Landschaft und der Natur. Die Liebe zu Menschen ist nicht meine private Geschichte, losgelöst von der Natur und der Welt. Wenn die Aufgabe, die mir die Göttin stellt, zusammen kommen kann mit meinem Liebesleben, erlebe ich das Glück der universellen Liebe. Aus diesem Glück gehen universelle Gemeinschaften hervor, in denen die Menschen wieder verbunden sind mit der Welt, der Erde und der Natur.
Wieviele nicht gelöste menschliche Themen muß die göttliche Welt sonst noch ertragen? Wieviele Seufzer des nicht gelebten menschlichen Lebens, der nicht erfahrenen elementaren Freude, der nicht gesprochenen Wahrheit unter Menschen werden in die spirituelle Welt verlagert? Wieviele Menschen reden von Spiritualität, von Heilung, von Gesundheit, von allen möglichen Themen, wo sie doch in Wahrheit den menschlichen Kontakt suchen, menschiche Nähe, menschliche Anerkennung.
Vieles von dem, was wir in den Himmel projiziert haben, müssen wir zurückholen in die Menschenwelt. Dann erst werden wir auch fähig, die reale Präsenz der Göttin auf Erden, der Naturgeister und Elementarwesen projektionsfrei wahrzunehmen. Das bedeutet die Aussage, daß Gott Mensch wurde. Gott ist Mensch unter Menschen und möchte hier entdeckt, verstanden und geschützt werden, damit er sich entfalten kann auf der Erde.

Eine humane Kultur wird entstehen, wenn wir im menschlichen Bereich kontaktfähig und wahrheitsfähig geworden sind und wenn wir die Frage des Eros nicht mehr nur an die persönliche Frage binden „Liebst du mich oder liebst du mich nicht? Meinst du wirklich mich oder meinst du mich nicht?“

Die Heilung der Erde braucht Menschen, welche die Liebe verstanden haben und anwenden können, vor allem die Liebe unter Menschen. Der Rest kommt dann von selbst. Wir sind hier, um das Diesseits zu vergöttlichen.

Deshalb an alle Frauen:
Folgt nicht den Impulsen der Rache und Vergeltung dafür, daß der starke Liebhaber und Mann, den ihr euch wünscht, noch nicht existiert.
Stärke hat sich bis jetzt in Unterdrückung, Macht, Herrschaft und Gesetzesdenken manifestiert. Seht die Größe in dem wieder, was elend, nackt und bloß als Schöpfer aller Ding in der Krippe liegt und den weiblichen Schutz sucht. Hört die Worte des Kindes, dann werdet ihr anders handeln als alle Mütter bisher, die zu früh ihre Söhne groß und stark sehen wollten, und deshalb das Zerbrechliche, den Christus in ihnen, das, was eigentlich von selbst schön und groß werden wollte, getötet haben.

Ich danke für den Geist der Gemeinschaft, der es möglich macht, diese Art von menschlicher Wahrheit zu finden, zu erkennen und zu schützen.

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