Worte eines Freundes

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Ein Freund, der schwer krebskrank ist
und nicht weiß, wie lange er noch zu leben hat, schreibt:

MeerLiebe Freunde und Freundinnen, Mitstreiter für eine neue Erde,

Ich danke Euch von ganzem Herzen für die unterstützenden Worte, die ihr mir habt zukommen lassen. Sie kamen im richtigen Moment.

Vor einigen Tagen stand ich auf dem Sandstrand einer Nordsee-Insel und hatte das Gefühl, das Meer ruft mich. Doch gleichzeitig fühlte ich eine große Einsamkeit und Kälte, meine Freunde und Freundinnen ohne Abschied zu verlassen.

Jetzt bekomme ich von so vielen Seiten Anteilnahme, Unterstützung und Anerkennung. Da fällt es mir leichter zu gehen, wenn es sein muss, oder mit mehr Zuversicht weiter zu machen, wenn es gewollt ist.

Seit 1981, seit ich “Aufbruch zu neuen Kultur” gelesen habe und seit meinen Besuchen in der Bauhütte hat mich der Geist von MEIGA nicht mehr verlassen, auch wenn ich in anderen Zusammenhängen tätig war, um zu gemeinschaftlichem Denken und Handeln in einem größeren Kontext anzuregen.

Ich danke euch für eure hartnäckigen und kreativen Bemühungen für eine neue Kultur, in deren Mittelpunkt eine freie und liebevolle Beziehung zwischen Mann und Frau steht. Kaum ein Projekt und nur wenige Menschen haben bis jetzt die Bedeutung dieses Themas verstanden, geschweige denn den Mut gehabt, in der Praxis neue Wege zu einer Kultur der partnerschaftlichen freien Liebe zu gehen. Auch mir fehlte oft der Mut, doch habe ich es immer wieder versucht und war dankbar, wenn andere so mutig waren.

Ja, ich kann euch versprechen, dass ich, wo immer ich auch bin, weiter mitarbeiten werde am „großen Werk der Transformation“, das uns verbindet.

Und ich weiß, ihr und viele andere in den Gemeinschaften und Netzwerken werdet nicht nachlassen, den gemeinschaftlichen Geist in alle Lebensbereiche hineinzutragen, damit unser gemeinsamer Traum einer friedlichen planetarischen Gemeinschaft aller Lebewesen eines Tages in Erfüllung geht.

Ich danke auch für die Lieder des Chors, (die wir ihm zugeschickt habt, Anm. tnv) die Nationalhymne Südafrikas berührt mich immer wieder. Wie viel Freude und Hoffnung haben wir mit der Abschaffung der Apartheid verbunden. Und wie viel ist noch zu tun, um die Apartheid jeglicher Art in unseren Herzen zu überwinden. Für mich schwingt in der Hymne alles mit: Freude, Hoffnung, Aufforderung.

Mir bleiben noch Tage, vielleicht einige Wochen – vielleicht auch mehr, wenn sich das Wunder auf meine hingehaltene Hand nieder lässt.

Ich habe eine Bitte, würdet ihr für mich – wenn es so weit sein sollte – zum Abschied singen: “We shall overcome some day”? Dieses Lied der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung hat mich seit meiner Jugend begleitet und immer wieder sehr bewegt. Es gibt mir heute noch das Gefühl einer heiligen Zuversicht.

Ich bin und bleibe mit euch verbunden,
Venceremos

xxx

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