Ein Gedankenexperiment

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Stellt euch vor,
eines Tages kommt Gott zu den Menschen und fragt… – eine Morgenandacht  004„Was willst du?“
Mensch sagt: „Ich möchte auferstehen.“
Gott fragt ihn: „Was meinst du damit?“
Mensch sagt: „Ich möchte auferstehen aus der Angst, aus der Lüge, aus dem schlechten Gewissen, aus der Langeweile und vor allem aus dem ewigen Liebesschmerz.“
Gott fragt den Menschen: „Hast du denn eine Vorstellung, wie man so etwas macht?“
Mensch sagt natürlich: „Nein, eben nicht.“
Gott sagt zum Menschen: „Dann kannst du auch nicht auferstehen.“
Gott macht mit Mensch einen Vertrag: „Komm in drei Tagen wieder zu mir und sage mir, wie man es nach deiner Vorstellung macht. Bringe mir deine Vorschläge.“
Mensch denkt drei Tage lang intensiv nach. Er hat ein Chance wie noch nie, aber die drei Tage sind viel zu kurz. Doch Mensch merkt, um was es geht. Er merkt, daß die Frage ernst gemeint ist. Er merkt, daß man zu diesem Thema jährlich Ostern und Weihnachten gefeiert hat und daß vor lauter Feiern alles verschwunden ist, was ursprünglich gemeint war. Das alles merkt Mensch in diesen drei Tagen und Nächten. Dann kommen die beiden wieder zusammen. Mensch sagt, was er alles gemerkt hat. Gott lacht, denn er freut sich, daß Mensch wahr geworden ist und daß man seit 2000 Jahren endlich mal wieder mit Mensch reden kann. Dann fangen die beiden an zusammen nachzudenken, was sie denn tun könnten, denn Mensch braucht Gott, aber auch umgekehrt, Gott braucht Mensch, denn beide sind ja eine Einheit und nicht getrennt voneinander. Also machen die beiden einen Vertrag.
Gott sagt zu Mensch: „Komme immer wieder zu mir und sage mir, was du wirklich brauchst. Ich gebe dir ein Jahr Zeit, um alles zu sagen, was notwendig ist für deine Auferstehung, damit du deine Angst und dein schlechtes Gewissen los wirst, damit du aus deiner Einsamkeit herauskriechen kannst und fähig wirst, in der Welt zu helfen. Damit du fähig wirst, auf einem neuen Weg zu der Liebe zu kommen, nach der du dich immer gesehnt hast, damit du fähig wirst, die wirklichen Hindernisse in deinem Leben abzubauen. Sage mir, was deine wirklichen Blockierungen im Inneren und im Äußeren sind. Wenn du dich häßlich fühlst, laß uns dann darüber nachdenken, wie du schön wirst. Wenn du dich ängstlich fühlst, laß uns darüber nachdenken, wie du mutig wirst. Wenn du impotent bist, las uns darüber nachdenken, wie du potent wirst. Wenn du nicht glauben kannst, laß uns darüber nachdenken, wie du Glaubenserfahrungen gewinnst.Ein Jahr ist eine lange Zeit. Du mußt nicht alles alleine können, ich werde dir helfen, wenn du mich rufst.“

Immer wieder kommt man an einen Punkt, wo man merkt, man muß bzw. kann nochmal von vorne anfangen. Wir sind nicht das Produkt der Vergangenheit. Wir sind nicht das Produkt irgendwelcher religiösen, gesellschaftlichen oder politischen Systeme. Das hat Mensch dem Menschen lange genug eingeredet. Wenn wir das wären, könnten wir uns nicht mehr lieben, könnten wir nicht mehr den Duft von Blumen wahrnehmen oder uns morgens am Sonnenaufgang erfreuen. Mensch ist etwas völlig Anderes. Die Wiederbesinnung auf dieses Andere ist ein Sinn des spirituellen Exerzitiums, das wir hier in Tamera machen – damit wir lernen, aus dem Palaver auszutreten und wieder einzutreten in die Botschaft, die uns in allen Kulturen über die Möglichkeit der Neugeburt und der Auferstehung des Menschen gegeben wurde. Das verlangt eine Entscheidung. Man möge daran glauben, daß es diese Möglichkeit gibt, daß alles in Erfüllung geht, was wir wirklich für diese Art von Auferstehung brauchen, und daß wir keinen Mangel leiden, wenn wir in dieses Bündnis eintreten.

Es wäre doch viel schöner, wenn sich Menschen nicht mehr nur zur Geselligkeit, zum üblichen Smalltalk treffen würden, sondern wirklich zu diesem existentiellen Thema: „Du hast ein Jahr Zeit, was tust du damit? Kannst du, Mensch, dir wirklich noch einmal vorstellen, daß es diese Art von Erneuerung für dich in deinem Leben gibt?“
Und da sollte man sich jede zu schnelle Antwort ersparen. Zu schnell sagen wir sonst: „Nein, denn die Bedingungen sind nicht gut, es fehlt das Geld, die Gesellschaft ist so schlimm, ich komme aus schlechtem Elternhaus, ich habe Autoritätsängste, Ödipuskonflikte usw… das ist für mich völlig unmöglich.“
Bevor man die Frage an sich heranläßt, kommt schon der Gegenschuß. Wir haben uns ein Leben lang vor dieser Frage geschützt. Wir waren ein Leben lang gezwungen, ungläubig zu sein. Wir mußten Ersatzreligionen oder Ideologien oder den Atheismus, das Matriarchat oder den Sozialismus benutzen, weil wir uns ein Leben lang schützen mußten vor den Grundfragen unseres eigenen Lebens. Tamera ist ein ideolgiefreier Ort für die Begegnung von Gott und Mensch und für Menschen, die die Begegnung von Gott und Mensch nicht mehr scheuen. Das ist meine tiefste Definition von Tamera. Wer oder was „Gott“ ist, möge jede Person für sich selber entscheiden. Für mich ist es der sakrale Kern der Welt, das Zentrum dieser vernetzten großen schaffenden Intelligenz im Universum und in uns und in jedem Lebewesen. Mit dieser Intelligenz möchten wir uns wieder verbinden.
Danke und Amen.

One thought on “Ein Gedankenexperiment

  1. Hallo lieber Dieter, wir kennen uns vom Kongress 1984 in Frenkfurt/M, interessant was aus dir geworden ist. Wenn du willst schau mein Profil und meine Seite auf fb an, dort auch die Gruppe: WÜRDE, ACHTUNG UND ANERKENNUNG stattt Beschämung. Einen Vortrag zur Scham bei youtube. lieben Gruss Wolfram

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