Tamera Tagebuch

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Friedensausbildung in der
Schule Mirja – Arbeit im Forum – Kooperation mit Tieren 

20. Januar

Schule Mirja: Ich wachte auf durch einen heftigen Traum: Ich bin in einem Bus, der plötzlich durch ein Selbstmordattentat explodiert. Ich laufe zwischen verletzten Menschen, hole Metallstücke aus ihrer Haut. Ich bin sehr konzentriert und habe keine Angst.

Gestern hatten wir eine bewegende Darstellung im Forum* von einem jungen Mann, einem Flüchtling aus Albanien, die zu tun hatte mit seinem Vater und dem Generationenkonflikt. Heute sind wir dann eingetaucht in die politische Situation der Erde. Die Teilnehmer der Gruppe kommen aus den USA, Israel, Palästina, Portugal, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Österreich, Italien, Griechenland, Spanien, Chile und Großbritannien – wir bringen die Welt also in jedes Treffen. Trotzdem war es für viele von uns, selbst für die, die aus der politischen Arbeit kommen, ein Schock, die Hintergründe und Zusammenhänge des Imperialismus noch einmal so deutlich in der Rede von Martin zu hören. Welch ein Wahnsinn, welch eine Grausamkeit hat den Planeten Erde im Griff!
Und gleichzeitig wissen wir, dass diese Kultur von Menschen geschaffen wurde, die so sind wie wir. Die Muster des Kapitalismus, die Muster der Gier, sind in uns. Das zu wissen, ist ein starker Motor, um ein neues Verhalten, einen neuen Glauben und neue Gedanken aufzubauen, welche Friedensinformationen enthalten. Das ist der Systemwechsel, den wir zusammen machen müssen!
(Autor: Uri)

Tamera_DiarySchule Mirja: Jeder Tag beginnt mit einem gemeinsamen Morgen Einstimmung. Es tut gut, die Gedanken dauernd zu wiederholen. 
Beginne den Tag mit der Entscheidung, auf heilige Weise zu leben.
Finde Deine Bereitschaft. Finde Deine Freude. Finde Deine Willenskraft. Finde Dein Gebet.
Solche Worte sind
es wert, dass wir ihnen dauernd unsere Aufmerksamkeit schenken. Immer neue Bedeutungen kommen auf. Manchmal ist es richtig existentiell.  Jeden Tag, wenn ich diese Worte höre, kommen mir andere Gedanken in den Sinn….
In heiliger Weise zu leben. So zu leben, dass ich mich so oft wie möglich an dieses heilige Leben erinnere, dass ich dabei mein eigenes höheres Wesen entfalte, dass ich mir bewußt werde, dass ich ein spirituelles Wesen bin, das gerade eine Erfahrung auf Erden macht. Jederzeit frei zu sein für die Liebe. Jederzeit die Bereitschaft zur Veränderung zu spüren. In der Freude zu leben, das Leben zu erfahren und mit seinen überraschenden Wendungen mitzugehen. Den Willen aufzubauen, Spiegel des Lebens anzunehmen und alle Widerstände zu überwinden. Die Gebete zu hören, die mich nähren und meine Seele inspirieren.

Wie Valja, eine unserer Gruppenleiterinnen sagte, sind wir hier an einem perfekten Platz für die Ausbildung zu FriedensarbeiterInnen: Wir begegnen vielen Fragen, die innere Widerstände auslösen könnten, aber wir wissen: Es gibt keine Gefahr. Daher brauchen wir uns nicht zu identifizieren oder irgendetwas abzuwehren.  Es besteht keine Gefahr! Was für eine Erleichterung, diese Worte zu hören! In den letzten Jahrtausenden patriarchaler menschlichen Kultur haben wir uns so daran gewöhnt, in ständiger Angst leben. Dieser Angstzustand ist normal. Etwas, das eigentlich absolut nicht normal sein sollte, ist nun normal. Es ist eine strukturelle Angst, ob auf der physischen, psychischen oder sozialen Ebene. Was werden sie von mir denken?” Wir frieren innerlich ein, in negativer Erwartung von etwas, das wir eigentlich nicht wissen können. Die Furcht vor einem äußeren Gericht und die  Angst vor Ablehnung gelten für jeden Menschen. Und so verwenden wir einen Großteil unserer Energie darauf, uns eine Maske aufzusetzen, weil wir glauben, dass wir sie zum Überleben brauchen. Doch hier lernen wir: Es besteht keine Gefahr”. Wir kommen hier zusammen im Vertrauen unter Menschen. Wir haben ein gemeinsames Ziel, wir verständigen uns über die hohe Vision des Projekts der Heilungsbiotope. Menschen, die sich selbst verpflichtet haben, für eine globale nachhaltige Friedensforschung einzutreten, sich zu verändern, um dieses Ziel zu erreichen. Wir wollen hier zusammenkommen, um diesem Ziel zu dienen, in Wahrheit, Solidarität und gegenseitiger Unterstützung.
Und alle diese revolutionären Gedanken dürfen wir uns jeden Morgen erneut bewußt machen!
(Autor: Madita)

19. Januar

Heute bin ich mit der neuen Hündin Suraya zur Tierärztin gefahren, um sie kastrieren zu lassen. Vor genau einem Monat habe ich die letzten beiden Welpen von insgesamt neun aus ihrem Wurf vergeben können. Dass das so gut geklappt hat, war ein echter Segen.
140902_Tamera_Animals_Dogs_SDV_30Ich habe meine eigene Seele und meinen Geist ganz verbunden mit dem Gedankenraum, dass ich diesen Eingriff bejahen kann. Ich wußte, dieser Eingriff ist nötig in einer Übergangszeit, wo wir – Mensch und Tier – noch nicht voll miteinander kommunizieren können. In meiner Vision wird es natürlich in Zukunft möglich sein, dass sie zum Beispiel uns Menschen mitteilt, wenn sie trächtig werden will und dann nur soviele Junge bekommt, wie wir Menschen und sie gut aufnehmen können. Ich weiss, es klingt wie ein Science Fiction, in anderen Bereichen aber haben wir tiefgreifende Erfahrungen von der Art schon gemacht.
Auch heute bekam ich wieder eine Lehreinheit, was es heißt, wenn Mensch und Tier miteinander kooperieren.
Ich hatte mir in den letzten Tagen immer wieder die Zeit genommen und ihr mitgeteilt, was ich mit ihr vorhabe und wie die Kastration ablaufen wird. Ich habe zu ihr gesprochen wie zu einem Menschen – am Anfang mit dem Eindruck, dass sie nicht zuhören will, dann aber mit dem Eindruck, dass sie zustimmt und “weiss”, was kommen wird.
Dann der Besuch selber. Sie war unendlich kooperativ – ich danke dafür dem grossen Geist der Hunde und ihr. Sie geht normalerweise nicht in überdachte Räume – diesmal lief sie selber – geduckt zwar – aber selber in die Praxis rein, setzte sich auf die Waage, liess sich auf den Tisch heben – alles ohne die Anzeichen von Panik, die ich bei ihrer ängstlichen Natur erwartet hätte. Dann die Narkose und das Einschlafen – es war schön, ich konnte lange bei ihr sein, sie bettete ihren Kopf auf meinem Arm und ich war geistig immer bei ihr, mit Dank für ihre Bereitschaft.
Die Operation verlief gut. Jetzt sind wir zu Hause und sie erholt sich. Ich danke für diese Lehre: Das Leben ist eine Einheit und wenn wir unser Herz dafür öffnen, können wir mit allem Lebendigen kommunizieren.
Danke für diese Welt!
(Autor: Badiya)
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100709_MG (4)Gestern haben wir in unserem Team über den kleinen Eber gesprochen, der uns am Nikolaustag zugelaufen ist. Wir gaben ihm den Namen Eberhardt Nikolaus. Wir haben überlegt, welches die beste und heilsamste Methode ist, ihm die Nasenklammern zu entfernen. Unser Bild war, dass wir eine stressfreie und möglichst unspektakuläre Weise finden. Wir wollen möglichst keinen Tierarzt einschalten, weil das immer so eine große Aufregung bei den Tieren erzeugt. Es war ein gutes Gespräch, aber wir sind noch zu keiner endgültigen Entscheidung gelangt.
Als ich heute morgen zusammen mit Ramon am “Arbeitsplatz” der drei Schweine angekommen war, habe ich mit großer Freude festgestellt, dass Eberhardt eine der Nasenklammern „selbst” entfernt hatte, ohne Verletzung, einfach weil er mit riesigem Einsatz das Gleiche getan hat wie seine Kollegen, nämlich wühlen und Lebensfreude aktivieren.
Wieder einmal bin ich bewegt von diesen Vorgängen, Fügungen und “Zufälle”, die wir erleben.
(Autor: Heide)

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Heute, in unserem sogenannten Forum*, habe ich meine negativen Glaubenssätze dargestellt, die es mir unmöglich machen, Kevin zu lieben. Er ist seit vielen Jahren in einer Partnerschaft mit einer meiner besten Freundinnen. Wie soll es in einer solchen Konstellation Aussicht auf Erfüllung für mich geben? Er liebt ja sie. Und wenn er und sie sich lieben, wie soll es da Platz geben für eine Andere? Es gibt kein Bild dafür, wie und dass überhaupt zwei Frauen denselben Mann lieben, wovon die eine mit ihm in Partnerschaft lebt und die andere nicht. Wie soll es da eine erfüllende Liebe für alle geben?
In dem Buch “Weiche Macht” von Sabine Lichtenfels steht geschrieben: “Eine Frauenbewegung, die in sich bewegende und verändernde Macht entwickeln möchte, braucht eine Grundlage der Solidarität, die auch in Krisensituationen standhält. (…) Eine solche Bewegung muß auch auf intime Fragen eine Antwort haben, z.B. auf die Frage: Was ist zu tun, wenn wir denselben Mann lieben? (…) Wir werden uns den Wahnsinn, an dem wir durch unsere Liebesbilder beteiligt sind oder waren, gründlich anschauen, um die Notwendigkeit einsehen zu können, dass wir ein vollkommen neues Liebesbild kreieren müssen, wenn wir eine gesellschaftliche Veränderung und Gesundung bewirken wollen. (…) Eine Lösung wird erst dann möglich sein, wenn wir erkannt haben, dass wir Frauen neue soziale Strukturen in der Liebe entwickeln und verwirklichen müssen und können, die unserer eigentlichen weiblichen und gesellschaftlichen Funktion wieder entsprechen. Wenn wir in das Wesen von Liebe und Sexualität hineinschauen, ohne gleich emotional zu reagieren oder zu urteilen, dann können wir sehr schnell sehen, dass die alten Glaubenssätze in der Liebe von selbst in den Untergang führen, zu Mißtrauen und Neid. Sie sind dem Wesen der Liebe diametral entgegengesetzt.”
Solche Zitate klingen wunderbar, aber es in die reale Lebenspraxis zu bringen, ist ein echtes Unterfangen. Und so habe ich es vorgezogen, meinen Impulsen erst gar nicht nachzugehen. Also wenn ich zum Beispiel am liebsten zu ihm hin gehen würde, um ihm einen Kuß zu geben, tue ich es nicht. Stattdessen halte ich den alten Unglauben und Missmut aufrecht.

Soweit meine Darstellung. Ich erhalte darauf wunderbare Spiegel von meinen Genossen und Freunde. Sie sagen:

Ja, es gibt dieses Bild noch nicht, geschichtlich. Darum ist es umso wichtiger, den Liebesimpulsen zu folgen, um mitzuhelfen, dieses Bild zur Geburt zu bringen. Es wäre evolutionär unfair, diese Möglichkeit nicht zu nutzen!

Was für ein Dreh im Denken! In dem einen Moment bin ich Opfer eines schier unlösbaren Konfliktes und im anderen Moment darf ich teilnehmen am Weltprozess der entstehenden Liebe.
Es ist eine interessante Stelle als Frau: Ich suche weder den Ehemann, der nur für mich da ist, noch suche ich die völlig ungebundene erotische Wildbahn. Ich suche einen Weg dazwischen. Einen Weg von Freundschaft, Liebe, Tiefe, Freiheit, Eros und Kontakt, der der Wahrheit des Herzens entspricht. Hierfür gibt es erstmal keine fertige Rolle. Ich bin weder die Partnerin, noch bin ich sie nicht. Das hat einmal eine Freundin in einer öffentlichen Rede gesagt, die genau um denselben Punkt kreiste. Ich danke unendlich für das Privileg, im Schutze der Gemeinschaft an dieser Stelle zu stehen, mit wackeligen Knien, Hoffnung und Zweifeln…, aber mit dem Wissen, dass diese intimste Frage aus meinem Inneren die ganze Frauenwelt (und Männerwelt auch) bewegt. Mit jedem Schritt, den ich auf diesem neuen Kontinent tue, ermögliche ich einen Weg, der dann natürlich auch von anderen Frauen begangen werden kann. Es ist ein Weg für alle Frauen dieser Welt. Und sie werden sich mit Leib und Seele für den Frieden einsetzen, wenn sie hier eine echte Perspektive sehen können.
Für die Partnerinnen an den Seiten der Männer, für die Ehefrauen und Geliebten! Mögen wir hier eine tiefe Solidarität und Zusammenarbeit unter uns Frauen finden!
(Autor: Saara)
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*Forum ist eine Form der öffentlichen Mitteilung und ein Erkenntnisraum in Vertrauensgemeinschaften.

 

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