Tamera Tagebuch

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Schule Mirja
– Global Ecovillage Network – Pläne eines Flüchtlings aus Syrien  – Landschaftspark in Tamera

OLYMPUS DIGITAL CAMERA26. Januar

Schule Mirja: Wir haben heute die Politische Theorie von Dieter Duhm weiter studiert durch die Worte von einer Mitstudentin aus den USA, Dorin. Sie hat so feine und klare Worte benutzt, um das vorzutragen, was sie so leidenschaftlich studiert hat. Ich war berührt von ihrer weichen Macht, ihrer femininen Intelligenz, klare und einfache Gedankengänge, die durch eigene Erfahrung und Fragen vertieft wurden: “Wenn wir alle menschlichen Strukturen in uns selbst aufspüren, dann bekommen wir eine große Kapazität für Mitgefühl.”
(Autor: Sybille)

Ich habe mich gerade wieder voll verliebt in diese Gemeinschaft. Man kann es einfach nicht vermeiden.
Vor einigen Tagen hat Lana gesagt, dass sie gerne ein Forum machen würde an ihrem Geburtstag. Heute ist ihr Geburtstag, aber es ist Sonntag, da ist normalerweise frei. Aber unser Leitungsteam hat sich etwas anderes ausgedacht – dank ihrer Weisheit und Liebe! So rufen sie uns zu einem Forum zusammen, extra für Lana. Bevor das Forum beginnt, singen wir Lana ein Lied, nicht das photo 1„Happy Birthday“, das hier zu erwarten gewesen wäre, sondern Lanas Lieblingslied. Im Forum spricht Lana dann über ihre Rolle als Frau im Alter von 50 und über ihre Suche nach Sinn im Leben. Es war sofort klar, warum dieses Forum wichtig gewesen war. Wie bedeutungsvoll, wie normal, und trotz allem, wie revolutionär es ist, in einer Gemeinschaft zu leben, wo die Menschen nicht einfach pflichtgemäß auftreten, sondern gesehen werden können in ihrem vollen Potential. Tamera ist wirklich ein Heilungsbiotop in Aktion. Was für eine Arbeit für ein Leben, das wirklich lebenwert ist!
(Autor: Magda)

24. Januar

Schule Mirja: Heute sind gleich zwei Wunder geschehen, die mir gezeigt haben, wie sehr ich eingebettet bin in einer Gemeinschaft, obwohl ich das so oft nicht wahrhaben will. Am Abend klopfte Rita an meine Tür. Ich hatte vorher erwähnt, dass ich starke Rückenschmerzen habe durch die Arbeit auf dem Feld und sie kam und bot mir eine Massage an. Das war das zweite Liebeswunder heute. Tief entspannt, schlief ich ein, während Rita leise wieder hinausschlüpfte.
(Autor Magda)

23. Januar
Jana ist vom GEN Europe Council Treffen zurück, voller Freude über ein effektives und gelungenes Treffen und die sich vertiefenden Freundschaften mit anderen Gemeinschaften, trotz schwieriger Themen. Ich freue mich sehr, dass GEN immer mehr Teil unserer Netzwerkarbeit in Tamera ist, es ist ein Geschenk, uns immer mehr als die Gemeinschaft der Gemeinschaften zu verstehen.
(Autor Laszlo)

Die Welt ist in einem solchen Tumult, all die Informationen über Konflikte, Krisen und persönliche Schicksale. Was geht da vor sich?
Gestern hat Martin vom “Institut für globale Friedensarbeit” einen Einblick gegeben in die aktuelle politische Situation. Stichworte Ukraine, Finanzkrise, Griechenland. Es waren sachlich vorgetragene interessante Informationen über die politischen Zusammenhänge. Doch mir wurde beim Zuhören heiß und kalt – und danach hatte ich das Gefühl, ich werde krank. Schreckensvisionen von einem möglichen Krieg in Europa steigen in mir hoch. Ich kann mich kaum dagegen wehren. Mir ist die wirklichkeitsbildende Kraft von Gedanken bewusst und auch die Notwendigkeit, mehr noch, die Verantwortung gegenüber den Kindern dieser Welt, mich nicht in diese Negativwelt hineinziehen zu lassen, sondern stattdessen meine Visionskraft auf eine lebenswerte Zukunft zu richten. Doch ich komme allein nicht von diesen Bildern der Gewalt los.
Zum Glück sind einige Genossen um mich herum, mit denen ich reden kann. Das Gespräch mit ihnen bringt mich auf neue Gedanken. Ich begreife, dass diese Schreckensvisionen des Krieges nicht “nur” aus mir selbst kommen, sondern aus einer kollektiven Angst. Und allein dadurch, dass ich mir darüber bewusst werde, fällt es mir leichter, mich den inneren Szenarien entgegenzustellen. Plötzlich bin ich stolz darauf, an neuen Bildern arbeiten zu können. Die neuen archetypischen Seelenbilder zu finden für eine lebenswerte Zukunft und sie zu gestalten, mit Farbe, Ton und anderen Materialien.
Das war gestern. Ich bin nicht krank geworden. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich jetzt kraftvoll und voller Tatendrang. Durch solche inneren Drehungen wächst die Freude am Aufbau neuer Lebenssysteme und die Vorfreude darauf, zusammen mit meinen Genossen die Reise nach innen fortzusetzen.
(Autor: Luan)

22. Januar
Der Flüchtling Fayez aus Syrien ist zurück in Tamera nach seinem Aufenthalt in Schweden. Er kommt mit einer grandiosen Idee: Er will in Schweden ein Ökodorf für syrische Flüchtlinge aufbauen, als Modell für Asylbewerberunterkünfte europaweit. Hier sollen die Menschen in Selbstverwaltung und Selbstversorgung zusammenleben und die ökologischen und sozialen Fähigkeiten lernen, die sie später brauchen werden, um ihr Land wieder aufzubauen. Wenn das Schule machen würde, hätten Flüchtlinge in Europa einen ganz anderen Stand, sie wären nicht mehr Bittsteller, sondern könnten etwas sinnvolles tun, für sich, ihr eigenes Land und ihr Gastland. Die Idee ist fantastisch. Er hat bereits einen Ort im Auge und wird das Projekt im Februar der Gemeinde vorstellen. Es ist toll, wie sehr er seine Erfahrung aus Tamera aufgreift, um die schlimme Situation in seiner Heimat zu überwinden, wie stark die Unterstützung aus dem GEN-Netzwerk war und ist und wie “zufällige” Begegnungen mitspielen: So bringt ein Journalist, den er im Flugzeug kennenlernte, ihn in Kontakt mit Universitäten und öffnet ihm den nächsten Schritt.

21. Januar
Mittwoch morgens machen ab jetzt zwei 13-jährige junge Frauen bei mir ein Praktikum. Ihr Traum ist es, Schriftstellerinnen zu werden, und ich merke schnell, dass sie tatsächlich begabt sind, alle beide. Was sie schreiben, hat Schwung, Sprachgefühl und eine Menge Fantasie. Gleichzeitig sind sie überaus leicht abzulenken, wie viele ihrer Altersklasse. Ich habe einmal gehört, dass die Intelligenz eines Menschen in diesem Lebensalter die höchste ist. Auf jeden Fall ist die Empfindsamkeit die größte, und so freue ich mich auf diese Lehreinheit für mich selbst, in der richtigen Weise zu kommunizieren und sie dabei zu unterstützen, ihrer Begabung eine gute Struktur zu geben.
(Autor Leila)

19. Januar
150120_Tamera_Marisis_Sculptures_SDV_29Kraftvolle Tage in Sandras Atelier auf der Suche nach Skulpturen für den Landschaftspark MarIsis in Tamera. Ich habe meine erste Figur aus Ton gestaltet, extra-terrestisch, Katinka modelliert einen stoischen Hahn für Terra Deva. Der Hahn ist gleichzeitig ein Wahrzeichen für Portugal. In der Legende hat er Leben gerettet. Lukas arbeitet an einer Drachenfigur, der am westlichsten Punkt von Tamera aufgestellt werden soll. Der Drache symbolisiert den richtigen Umgang mit den Dunkelkräften. In der Mythologie wurde der Drache vom Erzengel Michael besiegt. Viele neue Kulturen im Patriarchat begannen damit, dass eine heilige Figur den Drachen oder die Schlange getötet hat; das war das Zeichen ihres Sieges über eine vorangegangene Kultur.
Wie können wir eine neue Kultur aufbauen, ohne die alte besiegen zu müssen? Was ist, wenn wir keine Feinde mehr bekämpfen wollen? Wie gehen wir um mit all den Kräften, die vom Unterbewusstsein so gefürchtet werden? Den Landschaftspark gestalten, heißt, sich auseinanderzusetzen mit den Grundwerten einer gewaltfreien Kultur, einer Kultur des Friedens. In der Auseinandersetzung spüren wir: Friede ist so viel mehr als das Weglassen von Krieg.
Wir sind herausgefordert auch die gewaltigen Kräfte des Lebens, Wildheit, Tod etc. so zu integrieren, dass Friede entsteht.
Wir setzen uns auseinander mit den heiligen Figuren anderer Kulturen. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden, dass wir alle Kulturimpulse achten möchten, sie alle haben ihren besonderen Platz im Großen Ganzen. Und über allem die Frage: Wie kommt es hier zu wirklicher Gewaltfreiheit? Wie löst sich feindliches Denken wirklich auf? Gewaltfreiheit ist nichts für Schwache, sie verlangt Mut und hohe Gegenwärtigkeit.
(Autor Rahab)

One thought on “Tamera Tagebuch

  1. Kommentar zu Luan – ja, bei mir ist es ähnlich mit der kollektiven Angst – sie ist derzeit in mir sehr stark wahrnehmbar und es kostet mich Kraft mich den neuen Bildern der TERRA NOVA zu zu wenden. Mir wird immer klarer wie wichtig es ist mit Menschen zusammen zu leben, die diese Ausrichtung von TERRA NOVA haben und ein klares Ja dazu in sich tragen.

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