Gedanken zur Liebe

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Die Arbeit, die vor uns liegt, ist klar:
Wir können nicht zurück.

Ian_MacKenzie_fIn ihrem Buch “Sex at Dawn” zerstören die Autoren Christopher Ryan und Cacilda Jetha überzeugend die meisten unserer Annahmen über Liebe und Sexulität in unserer bestehenden Kultur. Sie argumentieren zum Beispiel, dass der Mensch das sexuellste Wesen ist, das die Evolution je hervorgebracht hat. Seine Herkunft ginge mehr auf die friedensliebenden Bonobos zurück als auf kriegslüsterne Schimpansen. Sie behaupten, Frauen seien biologisch darauf ausgerichtet, mehr als nur einen sexuellen Partner zu haben und Monogamie sei ein sehr seltenes Phänomen im Tierreich.

Und schließlich verändern sie unsere Glaubenssätze über eine “natürliche” menschliche Partnerschaft, in der Männer ihren Schutz und ihre Ressourcen einsetzen für die sexuelle Treue und Fruchtbarkeit der Frauen. Stattdessen kommen sie zu dem Schluss, dass vieles, was wir angeblich über die menschliche Partnerschaft und Sexualität “wissen”, eigentlich nur eine Anpassung sei an die Zeit, in der sich der Mensch auf eine Zivilisation der Landwirtschaft vorbereitete und seine uralten Gemeinschaftsstrukturen aufgab und damit eine Ära der Kernfamilie einleitete.

Lassen Sie mich das noch einmal auf den Punkt bringen: Alle unsere modernen Vorstellungen über Sexualität und Partnerschaft kommen aus dem Trauma über den Verlust unseres Stammes, unserer Gemeinschaft, unseres Dorfes!

Darum ist es so schwierig über Liebe und Sexualität zu sprechen. Wir alle, die wir in der herrschenden Kultur groß geworden sind, tragen tiefe Wunden aus dieser Geschichte der Trennung. Von den Religionen, die uns gesagt haben, dass Sex Sünde ist, es sei denn, sie wird im Heiligtum der Ehe praktiziert. Von dem sexuellen Missbrauch, der sich ungehindert durch die Generationen fortsetzen kann, weil die Familien schweigend die Schande auf sich nehmen, um ihr Gesicht zu wahren. Von der Isolation, die durch die Erbauer von Eigentumswohnungen zum Kult erhoben wird und nichts anderes beweist, als die vollkommene Vernichtung der Seelen derer, die diese urbanen Stätten bewohnen.

Deshalb klingt der Mythos des oder der “Ein und Einzigen” wie eine gute Idee. Wenn Ihre einzige Chance auf Freundschaft und Intimität auf eine einzige monogame Partnerschaft beschränkt ist, dann ist sie wie das Versprechen einer Rettungsinsel in einem Meer von Chaos und kosmischer Grausamkeit.
Wir manifestieren dann Strukturen der Knappheit, die auch schon den Rest unseres Lebens beherrschen. Wir suchen dann in unserem Partner das, was er oder sie sowieso nicht bieten kann: ein breites Spektrum von sexueller Erfüllung, eine übermenschliche elterliche Fürsorge ohne die zu vermischen durch eigene Neurosen, eine stabile Produktivität in einer materiellen Ökonomie, und eine noch unbekannte, aber tief ersehnte Verbindung ans Netz des Lebens.  

Um es noch einmal klarzustellen:  Ich greife nicht die monogame Ehe an, ich befürworte keinen rücksichtslosen Partnerwechsel. Was ich sagen will, ist lediglich, dass man nicht authentisch sprechen kann über die eigenen sexuellen Neigungen und Beziehungen, wenn man nicht bereit ist, die Tiefe der eigenen Verletzungen zu erkennen. 

Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Seit meine Ehe vor fast zwei Jahren zerbrochen ist, trage ich in mir eine Riesen-Wut, die eine Flutwelle der Trauer zurückhalten soll. Ich, von Natur aus Stoiker und noch zusätzlich von unserer Kultur darauf programmiert, dass Männer nicht weinen dürfen. Ich brauchte diese Reise nach Tamera und die felsenfeste Unterstützung der Tamera Gemeinschaft, um endlich meine Wut zu offenbaren, danach die Trauer und dann endlich ein tiefes Gefühl von Heilung.

Die sexuelle Revolution der 60er Jahre war bedeutsam, aber unreif. “Freie Liebe”, praktiziert als Freiheit von Verantwortung, hinterließ eine Generation zerbrochener Familien ohne Illusionen. Aber die Lektion war nicht vergebens. Die wahre Tiefe von “freier Liebe” offenbart sich als “Freiheit, ohne Angst zu lieben”.

Darum hat Tamera VERTRAUEN zu seinem Leuchtfeuer und WAHRHEIT zu seinem Ziel gemacht. Wir brauchen Gemeinschaften des Vertrauens, um unsere Wunden zu heilen, bevor wir darangehen, eine stabile Kultur im Dienst des Lebens aufzubauen. Und damit ihr dies nicht für eine Fantasie haltet, schreibe ich hier, was ich in der kurzen Zeit erfahren habe:

– Kinder werden ermutigt, ihrer eigenen Neugier und Kreativität zu folgen, unterstützt von den Eltern und einigen Erwachsenen, die ihren eigenen Erfahrungsschatz zur Verfügung stellen

– Junge und ältere Frauen genießen uneingeschränkte Freiheit und Freude ihres erotischen Lebens. Da sie von einer Kultur der Scham und Jungfräulichkeit befreit sind, entdecken viele, wie verschieden und groß ihr sexueller Appetit ist.

– Eine Bewohner-Gemeinschaft, engagiert in andauerndem Experiment und persönlichem sowie kollektiven Wachstum, die alle das Paradox der öffentlichen Intimität entdecken: Je mehr wir bereit sind, unser privates Selbst zu offenbaren, um so mehr entdecken wir unsere Zusammengehörigkeit.

Aber vertut euch nicht: Tameras Gemeinschaft des Vertrauens hat sich in 35 Jahren und durch viele Schwierigkeiten, Triumphe und Liebeskummer herausgearbeitet. Sie ist keine perfekte Utopie; und viel von ihrer Forschung braucht Übersetzung und Anpassung, um wirkungsvoll auf die Trümmer unserer Zivilisation aufgepflanzt zu werden.

Diejenigen unter uns, die sich für einen Systemwechsel engagieren, müssen zunächst bereit sein, ihre eigene Gebrochenheit zu erkennen, dann können sie sich für eine lange Zeit zurücklehnen und darüber trauern, wie es dazu kommen konnte, daß die Dinge jetzt sind, wie sie sind. Seien Sie mutig genug, um einen Strom von Tränen zu vergießen für den langen Bogen von Scham, Missbrauch und Verrat, der unsere Ahnenreihen durchzieht. Und seien Sie mitfühlend genug, um ihnen und sich selbst zu vergeben für die schwere Zeit, die über uns gekommen ist.

Die Arbeit, die vor uns liegt, ist klar: Wir können nicht zurück. Aber wir können auch nicht vorwärts gehen, ohne das Heiligtum des privaten Selbst hinter uns zu lassen und stattdessen in die chaotische, verletzliche, herzöffnende Arbeit einzutreten und das wiederzubeleben, was wir verloren haben: unsere Gemeinschaft, unser Stamm.

Machen Sie mit?

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