OFFENER BRIEF AN PREMIERMINISTER ALEXIS TSIPRAS!

en de pt-br  ελληνικά
Solidarische Grüße aus dem Heilungsbiotop 1 Tamera in Portugal – Kooperationsangebot für Modellregionen in einem sozialistischen und humanen Südeuropa TsiprasLieber Premierminister und Genosse Alexis Tsipras,

Wir grüßen Sie aus dem Friedensforschungszentrum Tamera in Portugal, wo wir an einem Modell für eine ökologisch und sozial nachhaltige Friedenskultur arbeiten. Derzeit findet hier ein internationales Treffen des Globalen Campus mit Vertretern aus vielen Ländern der Erde statt. Von überall hören wir Berichte von Krisen, Ausbeutung und Gewalt, aber auch von Menschen, die mutig für Autonomie, Gerechtigkeit und Frieden arbeiten.
Mit großer Freude haben wir auf die Wahl einer sozialistischen Regierung und eines so vertrauenswürdigen Premierministers reagiert. Wie ein Löwe haben Sie für das Wohlergehen ihres Landes gekämpft. Nun würden wir am liebsten für Sie und Ihr Herz beten.
Es gehört zu den perfidesten Methoden des Neoliberalismus, dass er ausgerechnet die linken Regierungen und die aufrichtigsten Politiker dazu zwingt, seine unsozialen, zerstörerischen und ausbeuterischen Pläne auszuführen. Ich schäme mich für meine (die deutsche) Regierung, für die unaufrichtige Presse und die kalte Machtpolitik der Finanzinstitutionen.

Bei all dem Leid, das die Austeritätspolitik bereits über die Menschen Südeuropas gebracht hat: Wie schwer muss es für Sie sein, nun fast täglich zu solchen Entscheidungen gezwungen zu sein! Wie leicht könnte es unter diesem Druck geschehen, so zu werden, wie der Gegner einen haben will, zynisch, einsam oder machthungrig. Wir wünschen Ihnen, dass Sie Momente der Ruhe und Besinnung finden und dass die Gemeinschaft mit Ihren Genossen und die Visionskraft in Ihnen lebendig bleiben – für Ihr schönes Land und seine mutigen Bewohner.

All Ihre Vorschläge wurden von der EU abgeschmettert. Und doch hat ihr Kampf einen Sinn gehabt. Freunde aus Griechenland sagen: “Die Masken sind gefallen, Europa hat sein wahres Gesicht gezeigt.” Wir sehen nun deutlich, mit welchen erbarmungslosen Machtstrukturen wir es zu tun bekommen, wenn wir Gerechtigkeit und Vernunft einführen wollen. Die Vertreter der Finanzinstitute und Machtapparate betreiben die Aushöhlung von Menschlichkeit, sozialem Zusammenhalt und regionaler Selbstbestimmung und setzen sich inzwischen offen über alle demokratischen und ethischen Regeln hinweg. Diese Erkenntnis hat viele Menschen radikalisiert. Immer mehr wissen: In diesem System kann es keine Zukunft geben. Wir brauchen ein völlig anderes System, wenn wir als Menschheit überleben wollen: ein System der Humanität, der Solidarität und Gerechtigkeit, der Kooperation mit der Natur, der Gemeinschaftsbildung. Kein Land kann diesen Ausstieg allein schaffen.

Für einen neuen Sozialismus in ganz Südeuropa
Und doch sehen wir nach wie vor die Möglichkeit eines blühenden Griechenlands, wie auch eines blühenden Portugals und Spaniens. Wir sehen die Möglichkeit eines dritten Weges, jenseits von Grexit und Unterwerfung. Südeuropa mit seiner langen Sonnenscheindauer wird ohne Zweifel im kommenden solaren Zeitalter zu den wohlhabenden und führenden Regionen gehören. Möge dies im Zeichen von Solidarität, Kooperation mit der Natur und echter Demokratie geschehen, im Zeichen eines neuen Sozialismus.

Was heißt Sozialismus heute? Sicher teilen wir die Vision: Politeias in allen Städten und Gemeinden, selbstbewusste Bauern, die mit der Natur kooperieren und von ihren Produkten leben können, teilautarke Regionen und lokale Wirtschaftskreisläufe, eine ökologisch und sozial verträgliche Industrie im Besitz ihrer Mitarbeiter, eine hoffnungsvolle junge Generation, die weiß, wofür sie ihre Kraft und Intelligenz einsetzen kann.
Der Sozialismus der Zukunft bezieht darüber hinaus die menschlichen Werte mit ein. Fürsorge, Solidarität, gegenseitige Hilfe, Gemeinschaftsgeist, Selbstverantwortung, Transparenz, Vertrauen und Liebe können nicht verstaatlicht, aber auch nicht privatisiert werden. Sie ergeben sich aus der realen Lebenserfahrung in neuen Gemeinschaften und Zukunftsdörfern. Von dort breiten sie sich auf die Umgebung aus. Solche autonomen Gemeinschaften und dezentralen Kooperativen sind Partner und Unterbau jeder sozialistischen Regierung, die ihre Menschlichkeit bewahren kann.

Kein Ausstieg ohne Einstieg
Um aus dem bestehenden System aussteigen zu können, müssen wir wissen, in was wir einsteigen können. Deshalb arbeiten wir im Friedensforschungszentrum Tamera, Portugal, an einem solchen Zukunftsmodell, zunächst im Kleinen. In Kooperation mit ähnlichen Forschungsprojekten weltweit erarbeiten wir ganz praktisch das Wissen und die Erfahrung, das gebraucht wird, um autonome ökologisch und sozial nachhaltige Modellregionen mit eigenen Wirtschaftskreisläufen aufzubauen. Zentral dabei ist das Wissen um ein gesundes, natürliches Wassermanagement, denn ohne Wasser kein Leben und keine Wirtschaftsentwicklung; darauf aufbauend regionale Lebensmittel- und solarer Energieautonomie, so dass jede Region sich selbst versorgen und mit den Überschüssen handeln kann; und im menschlichen Kern das soziale Wissen um Gemeinschaftsbildung, Kommunikation, Basisdemokratie und Versöhnung der Geschlechter.

In Modellen und Ausbildungszentren in Portugal, Kolumbien, Kenia, Mexiko und Palästina sind wir dabei, erste Modelle aufzubauen, um zu zeigen, dass auch in Krisengebieten Siedlungen und Regionen ohne Gewalt, Ungerechtigkeit, Machtstrukturen und Abhängigkeit von internationalen Geldsystemen auskommen und gut leben können. Mit diesem Hintergrund wird eines Tages auch der Ausstieg der derzeit noch so “abhängigen” Staaten aus dem globalen und europäischen Geldsystem vorstellbar. Griechenland, einstmals Vorreiter der abendländischen Kultur, könnte wiederum eine kulturbildende Rolle einnehmen – diesmal für die faszinierende Idee der autonomen Regionen.

“Ecovillage Skala” in Griechenland
Die ökologischen Techniken wollen ebenso gelernt werden wie die sozialen Fähigkeiten und Werte, denn viele tausend Jahre Patriarchat haben uns anders geprägt. Die vielen Graswurzel-Initiativen, die bereits in Griechenland arbeiten, könnten die Basis für eine neue Gesellschaft bilden, wenn es dafür Ausbildungsorte und Modelle gibt.
Einer unserer neu gewonnenen Partner ist das entstehende Ecovillage Skala in Griechenland bei Thessaloniki, gegründet von zwei Menschen mit langer Erfahrung in Gemeinschaftsaufbau. Wir möchten mithelfen, dass hier ein Ausbildungszentrum und Modell für ein nachhaltiges und gerechtes Griechenland entsteht, an dem viele Menschen sehen können, dass und wie ein anderes Leben möglich ist. Das dort gelernte Wissen wird helfen, die schlimmsten Auswirkungen der Krise abzupuffern, da die Menschen unabhängiger von den globalen Systemen werden.
Im August werden einige Mitarbeiter Tameras dort Wissen über Wasserretention lehren und gleich anwenden: vor allem in Südeuropa ist dies die wichtigste Grundlage für eine andere Wirtschaftsweise. Es folgen weitere Aktivitäten in Kooperation mit dem Global Ecovillage Network (GEN) und der Gaia Education im Herbst und hoffentlich auch in den kommenden Jahren.

Wir möchten Ihnen die Hand zur Kooperation reichen, über alle Grenzen hinweg, im Wissen, dass der Sozialismus eine Idee ist, deren Zeit weltweit gekommen ist. Wir möchten Ihnen auch anbieten, Tamera als Oase der Kraft aufzusuchen, wenn Sie Erholung und geistiges Auftanken brauchen, auch um zu spüren, dass Sie und Ihre Genossen mit Ihrer großen Vision nicht allein sind. Wir möchten Sie zusätzlich bitten, sich hinter unsere Arbeit in Griechenland zu stellen, sich mit uns auszutauschen und zu kooperieren, denn es dauert natürlich eine Weile, bis solch radikale Grundgedanken, wie Tamera sie zu verwirklichen sucht, von einer größeren Öffentlichkeit verstanden und aufgenommen werden können.

Wir senden Ihnen revolutionäre Herzensgrüße.

Venceremos
Leila Dregger

www.tamera.org, Monte do Cerro, 7630 Colos, Portugal, +351-283635484, leila.dregger@tamera.org

 

One thought on “OFFENER BRIEF AN PREMIERMINISTER ALEXIS TSIPRAS!

  1. Hier könnte einer der größten Menschheitsträume seinen Weg finden. Von ganzem Herzen viel Erfolg!

Share your thoughts:

Your email address will not be published. Required fields are marked *