DIE ZWEI IDENTITÄTEN

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Oder: Was ist ein Friedensarbeiter? Eine Morgenandacht in Tamera  (Auszüge)

Identities_4Es gibt zwei innere Identitäten, die zwei verschiedene Möglichkeiten bedeuten, sich als Mensch auf dieser Erde zu sehen und mit ihr umzugehen.
Mit welcher Identität leben wir?

Was steht in unserem höheren Personalausweis?

Das Ziel unserer Reise: Die Verwirklichung der Liebe.

Auf der Identitätskarte sind zwei Möglichkeiten vorgegeben, die man ankreuzen kann. Die erste Möglichkeit besteht darin, daß wir in uns ein Liebesbild errichtet haben und merken, daß wir diesem Bild nicht entsprechen, dass es unerfüllt ist, dass wir also an dieser Unerfülltheit leiden. Die erste Möglichkeit heißt also: Ich bin ein unbefriedigter Mensch. Ich leide. Wer hilft mir, bitte?!

In diesem Fall identifiziert sich der Mensch mit der Unerfülltheit in der Liebe. Man kreuzt also diese Definition an, diese Identität. Man versteht sich als unerfüllten Menschen.

Die zweite Möglichkeit ist sehr verwandt mit der ersten, und doch ganz anders. Sie heißt: Ich bin ein Friedensarbeiter. Ich weiß, daß ich in einer unerfüllten Welt lebe, und ich weiß auch immer mehr, wie wir zusammen zur Erfüllung kommen können. Deshalb bin ich ein Friedensarbeiter geworden. Meine Identität liegt darin, mitzuhelfen, daß auf diesem Planeten menschliche Verhältnisse entstehen, unter denen meine persönliche Liebessehnsucht und die aller anderen verwirklicht werden kann.

Friedensarbeiter sind Menschen, die politisch in die Welt schauen. Politisch heißt, daß sie verstanden haben, daß für die Erfüllung der Liebe bestimmte gesellschaftliche, ökologische, gesamtpolitische Voraussetzungen notwendig sind. Friedensarbeiter wissen, daß es um das Ziel der Liebe geht. Und dass wir, um dieses Ziel zu erreichen, auf diesem Planeten, bestimmte Dinge einrichten müssen, damit das möglich wird. Menschen, die nur die Liebe wollen, aber nicht Friedensarbeiter sind, meinen, die Liebe hier und jetzt erfüllt kriegen zu müssen. Die Identität des Friedensarbeiters ist neu zu installieren auf unserem Planeten.

Wer heute das Ziel der Liebe, das Ziel der Sehnsucht kennt und ihm treu bleibt, weiß, was zu tun ist, damit es in Erfüllung geht. Nie kann Liebe nur für mich in Erfüllung gehen, wenn draußen um mich herum ein Krieg wütet, wie in unserer Zeit.

Meine eigene Liebessehnsucht ist die revolutionäre Kraft meiner Zellen.

Ich lasse mich nicht mehr trösten. Ich brauche keinen Trost. Ich brauche keine Heilung, in dem Sinne, daß morgen schon meine persönlichen Bedürfnisse erfüllt werden.

Ich meine, wenn der liebe Gott kommt, und sagt: Hey, ich gebe dir wirklich alles. Und du darfst mir glauben, du hast es auch noch übermorgen. Für den ganzen Rest deines Lebens. – Ich würde nicht nein sagen. In dem Sinne fände ich das wunderbar.

Aber im Moment glaube ich nicht, daß irgendein Gott oder eine Göttin in der Lage ist, so etwas zu tun. Denn ihr kennt die letzten Morgenandachten. Das, was sie tun können ist immer ein Spiegelbild von dem, was wir selber tun. Und wir selber sind dabei, die Bedingungen, die Voraussetzungen vorzubereiten, damit Liebe möglich wird.

Liebe zwischen Mann und Frau vor allem. Und dann aber auch die Liebe zwischen Mensch und Tier, zwischen den Völkern, zwischen Mensch und Natur, Mensch und Schöpfung, Mensch und Gott.

Wenn ich die erste Möglichkeit angekreuzt habe, dann bewege ich mich in einer Identität, die immer davon abhängig ist, ob gerade Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht. Sind sie erfüllt, dann geht’s mir gut, sind sie nicht erfüllt, dann geht es mir schlecht. Mit dieser Identität komme ich durch die Welt, wie sie heute ist, nicht mehr durch. Wir brauchen eine neue Identität. Wir brauchen eine neue Identität. Und wenn es noch so hochtrabend klingt…wir brauchen einen Identitätswechsel. Das ist der Vorgang der Transformation.

Ein Friedensarbeiter ist immer unbefriedigt. Aber das ist für ihn ein so banaler Käse, daß er darüber nicht spricht. Das hat der Friedensarbeiter mit der ganzen Menschheit gemeinsam.

Was ihn unterscheidet, ist, daß er die Gründe dieser Unerfülltheit kennt, daß er sich seiner persönlichen Unbefriedigtheit nicht mehr schämt, und daß er in dieser ganzen Unerfülltheit seines Lebens eine Linie und einen Ankerpunkt gefunden hat, der ihn immer trägt, und der ihn immer mehr trägt. So, daß die Frage, ob ich gerade erfüllt bin oder unerfüllt bin, langsam wie Regentropfen an meiner Haut herunter perlen.

Diese andere Identität als Friedensarbeiter kann man üben.

Die Gemeinschaften der Zukunft müssen Freiräume oder Auszeiten schaffen, wo die Beteiligten das richtig üben. Immer wieder einfach üben… mit ein paar Wochen Zeit, um nicht nach den persönlichen Bedürfnissen zu fragen, sie aber auch nicht zu ignorieren. Ja nicht lügen! Sondern nur wissen, daß das die Bedürfnisse von allen sind. Und diese Schwierigkeiten, an denen ich gerade leide, sind die Schwierigkeiten von allen. Und jeder hat aus diesem ganzen riesigen „Kuchen von Schwierigkeiten“ sein Tortenstück abgekriegt. Sein Tortenstück von Schwierigkeiten. Und man darf es lösen für alle.

Das ist eine Veränderung in der Drehrichtung, in der Frequenz, in der Orientierung, die anders ist als es uns die esoterischen oder religiösen Bewegungen vormachen wollten.

Es ist nicht einfach eine Drehrichtung zu Gott, der hilft uns dann schon. Sondern es ist eine Drehrichtung zur Erkenntnis, daß ich ein Teil des Ganzen bin, und daß ich von jetzt an beschließe, diesem Ganzen zu dienen. Und in diesem Dienst liegt meine Erfüllung.

Die Welt begrüßt diese Entscheidung.

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