Liebe FreundInnen und AktivistInnen für Terra Nova

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Wir grüßen euch zu Beginn des neues Jahres aus Tamera in Portugal.

Lasst uns zu Beginn einen Moment nehmen, um geistig Abstand zu nehmen von unserem aktuellen Standort und unserer individuellen Situation, in der wir uns gerade befinden, um einmal – wie von außen – einen Überblick über die Situation unseres Planeten zu gewinnen. Immer wieder sind wir gerufen zu dieser Schau, um uns selber sinnvoll einordnen zu können in das Ganze.

Wir leben in einer Welt der Transformation. Zum Jahreswechsel war es am Nordpol über Null Grad, so warm wie zur gleichen Zeit in Deutschland oder Kalifornien und 30 Grad wärmer als normal. Die für diesen Winter vorhergesagten katastrophalen Auswirkungen des globalen Wetterphänomens „El Niño“ vollziehen sich im Moment vor unseren Augen. 2015 war das wärmste Jahr seit es Aufzeichnungen gibt und voller Umweltkatastrophen. Es ist der Aufschrei der Erde selbst, die Rückmeldung, die die Natur uns Menschen auf unsere lebensfeindliche Weltordnung gibt. Zum Jahresbeginn 2016 sind ca. 23,000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. So viele Arten standen seit Menschengedenken nicht auf der roten Liste. Katastrophale Informationen auch aus dem gesellschaftlichen Bereich: Noch nie gab es eine solche soziale Ungleichheit wie heute. Im Jahr 2016 werden zum ersten Mal in der Geschichte die reichsten 1% mehr besitzen als der Rest der Menschheit zusammen. In diesem Jahr werden die USA mehr Geld für Rüstung ausgeben als je zuvor, der massivste Kriegsetat der Geschichte. Die globalen Eliten bereiten sich auf weitere Kriege und soziale Unruhen vor. Unter dem Vorwand islamischen Terrors werden die Überwachungssysteme der westlichen Staaten immer weiter aufgebaut, demokratische Grundrechte eingeschränkt, Polizeieinheiten militarisiert. Die Menschheit stolpert im Moment fast schlafwandelnd in ein absolut totalitäres System, sagt Edward Snowden – einer, der es wissen muss. Die herrschenden Eliten sind sich bewusst, dass ihre Macht nur noch auf diesem Wege zu halten ist. Wenn ein führender US-Präsidentschaftskandidat offen Internierungslager und Erkennungszeichen für Muslime fordert, erntet er kräftige Zustimmung in weiten Teilen der Bevölkerung. Weltweit erleben wir den Aufstieg eines neuen Faschismus – in der grausamen Ausbreitung des „islamischen Staat“, im Krieg Erdogans gegen die Kurden, in der sich zuspitzenden Apartheid in Israel-Palästina, in der Gewalt in der Ukraine, aber auch in der westlichen Welt, in den politischen Erfolgen der extremen Rechten in Frankreich, Ungarn, Polen etc. und dem krassen Anstieg rechtsextremer Gewalttaten in Deutschland. Außerdem droht die Unfähigkeit der „radikalen Linken“, wie wir es in den letzten Monaten zum Beispiel in Griechenland beobachten konnten, die neoliberalen Strategien der Verarmung, Ausbeutung und Destabilisierung auf politischem und demokratischem Wege zu stoppen, den ultrarechten Brandstiftern weiter in die Hände zu spielen. Wir leben in einer apokalyptischen Zeit.

Apokalypse aber ist nicht nur Untergang, sondern auch Offenbarung. In einem weit verbreiteten Internet-Artikel stellt ein brasilianischer Unternehmer Anzeichen einer großen Veränderung dar, die im Moment untergründig läuft: immer mehr Menschen, die das bestehende Arbeitsmodell nicht mehr aushalten, ein sich veränderndes Unternehmertum, wachsende Zusammenarbeit, eine neu erwachende Spiritualität, neue Lernmodelle etc… Ähnliches erleben wir auf unseren Reisen und in Kontakt mit Gästen in Tamera. Überall entstehen neue Projekte, gründen Menschen Gemeinschaften, betreten neue Wege. Die Sehnsucht nach einer neuen, menschlich wahrhaftigen und ökologisch nachhaltigen Lebensform ist riesig. Die Zahl der Anfragen nach Zusammenarbeit und nach Hilfe beim Aufbau neuer Modelle, die aus aller Welt auf uns zu kommen – inzwischen auch von hohen Regierungsstellen, steigt unaufhörlich. Hinter den Kulissen einer grausamen Welt bereitet sich eine andere vor. Sie ist getragen von einer neuen Humanität. Auch das anteilnehmende Engagement, mit dem sich viele, viele Menschen im Moment in Deutschland und anderen Ländern für die ankommenden Flüchtlingen einsetzen, ist ein deutliches Beispiel dieser positiven Transformation. Es ist der Wandel von der alten Struktur der Isolation, Gleichgültigkeit und Angst hinzu einer neuen Öffnung für Anteilnahme und Hilfe, die sich in dieser „Bewegung der Helfenden“ vollzieht. In dieser Drehung von einem verschlossenen, abgeschotteten Lebenssystem hinzu einer wirklich weltoffenen, auf Vertrauen und Öffnung beruhenden Lebensform liegt die Richtung der heutigen Revolution.

Als Inspiration schicken wir euch in diesem Sinne ein bewegendes und intimes Gebet von Dieter Duhm mit: „Gebet an der Schwelle“. Es ist ein Auszug aus seinem neusten Buch, welches Mitte dieses Monats im Verlag Meiga erschienen ist: „Der immanente Gott. Fundamente der Befreiung“. Das Buch gibt einen Einblick in den spirituellen Aspekt der über 40-jährigen Friedensarbeit des Autors und Tamera-Mitbegründers. Die verschiedenen Texte, Vorträge und Gebete beschreiben eine religionsfreie Schau der göttlichen Welt. Sie führen uns in die Quellbereiche unserer Existenz, da, wo wir dem Heiligen wieder begegnen, im Himmel wie auf Erden, unter Menschen und in Gemeinschaften der Zukunft. Man kann das Buch hier bestellen:
//verlag-meiga.org/de/shop/der-immanente-gott-fundamente-der-befreiung/

Außerdem empfehlen wir ein Interview zur Frage: „Wie kippen wir das globale System der Gewalt?“, welches Martin Winiecki mit Dieter Duhm in Tamera gehalten hat: s//www.youtube.com/watch?v=8aaskF7Jq68 (Deutsch mit englischen Untertiteln)

Im Dezember startete auf der griechischen Insel, wo jeden Tag tausende Flüchtlinge ankommen, das Hilfsprogramm „refuGEN“, organisiert und getragen vom europäischen Teil des „Global Ecovillage Network“. Seit Weihnachten sind in diesem Zusammenhang verschiedene MitarbeiterInnen von Tamera auf Lesbos und helfen bei allem, was nötig ist. Sie werden dabei Zeuge herzzerreißender Schicksale und unterstützen die ankommenden Menschen soweit sie können. Auf unserem Blog „Terra Nova Voice“ findet ihr die bewegenden Tagebücher von Dara Silverman und Artikel von Leila Dregger:
//terranovavoice.tamera.org/2016/01/night-shifts-at-morias-distribution-tent/4380
//terranovavoice.tamera.org/2016/01/being-volunteers-for-refugee-aid-on-lesbos/4363
//terranovavoice.tamera.org/2016/01/fadis-fate/4355

Nach ihrer Rückkehr aus Lesbos sagte Leila Dregger, dass „helfen nicht reicht“. Die Flüchtlingskrise kann nur gelöst werden, wenn der Krieg in Syrien und anderen Ländern aufhört. Das allerdings kommt einem Systemwechsel gleich, denn fast alle Welt- und Wirtschaftsmächte treiben den Krieg voran. Krieg ist ein wesentlicher Bestandteil des bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, ohne den es zusammenbrechen würde. Trotz der scheinbaren Aussichtslosigkeit haben wir begonnen, um mit der Frage auseinanderzusetzen: Wie können wir den Krieg in Syrien beenden? Gibt es noch eine Perspektive, die wir sehen können?

Sabine Lichtenfels hat diese Frage zum Thema der Morgenmeditation vom „Ring der Kraft“ gemacht. Am letzten Montag erhielt sie eine starke mediale Durchsage als Antwort, die man hier nachhören kann:
//sabinelichtenfels.tumblr.com/post/137109029569/ring-der-kraft-am-1101-2016-eine-mediale

Um eine neue feldbildende Friedenskraft zu verwirklichen und stärker zu werden als der neu aufkeimende Faschismus, brauchen wir vor allem Zielbilder und Vorstellungen der „konkreten Utopie“, Visionen der neuen Kultur, die wir schaffen wollen. Die Vision der globalen Heilung muss konkret werden, sichtbar, vernetzt und sexy sein, viral durchs Internet laufen und an die Mauern aller Metropolen geschrieben werden. Die alte Epoche kann nur in dem Maße abgelöst werden, wie die neue „gesehen“ wird. Durch diese planetarische Schau bekommen auch unsere individuellen Fragen und Entscheidungen eine neue Lösungsrichtung. Wir möchten ein Netzwerk von Menschen aus aller Welt aufbauen, die fest in dieser Perspektive und Kraft verankert sind.

Auf unseren Veranstaltungsreisen, die wir im Herbst 2015 durch die USA und die deutschsprachigen Ländern unternommen haben, bekamen wir den Eindruck, dass die Zeit tatsächlich reif geworden ist für die Bewegung Terra Nova. Wir möchten an dieser Stelle noch einmal unseren herzlichen Dank an alle (alten und neuen) FreundInnen in aller Welt aussprechen. Danke für Eure unermüdliche Unterstützung und Treue! Ohne Euch könnten wir diese Arbeit nicht tun. Die steigende Nachfrage und positive Resonanz, auch auf das Buch „Terra Nova“, ermutigt uns, den Aufbau der Bewegung Terra Nova in diesem Jahr mit allen Kräften weiter zu führen.

Einige Eckdaten für 2016:

Mitte Mai laden wir einen besonderen Kreis von Denkern und Visionären, Journalisten, Aktivisten, Geldgebern und Politikern ein, die die Bedeutung vom Plan der Heilungsbiotope erkannt haben und auf globaler Ebene für deren Verwirklichung zusammenarbeiten wollen. Aus diesem Treffen soll eine Art „World Council“ für Terra Nova hervorgehen, ein strategischer und visionärer Rat für den Aufbau einer globalen Friedensmacht.

Ebenfalls im Mai erwarten wir die Veröffentlichung eines einstündigen Dokumentarfilms von Ian MacKenzie und John Wolfstone über Tameras globale Liebesschule – die „Heilung der Liebe“. Als Vertiefung für diesen Film möchten wir ein Online-Programm für alle Interessierten zum Thema Liebe und globale Revolution anbieten. Ein vier- bis sechswöchiger Online-Kurs zu den Kernfragen der inneren und äußeren Veränderung, Liebe, Sexualität und Gemeinschaft.

Anfang August laden wir wieder alle MitstreiterInnen und AktivistInnen von Terra Nova ein zu einer zehntägigen Ausbildungszeit nach Tamera ein. Im Oktober und November planen wir Veranstaltungstouren durch England, Deutschland, Spanien sowie eine Pilgerschaft durch Portugal.

Mehr Informationen zu alledem folgen in Kürze. Darüber hinaus könnt ihr Ende des Monats den Veranstaltungskalender von Tamera auf unserer Webseite //www.tamera.org einsehen. Wir freuen uns auf eine vertiefte Vernetzung und Zusammenarbeit mit euch.

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen für das neue Jahr!

Martin Winiecki, Monika Alleweldt, Janni Hentrich, Peter Lewerenz, Nora Czajkowski, Dara Silverman

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