30 Menschen können die Welt verändern

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Grace ist die Kraft, die Mauern zu überwinden vermag,
denn sie ist beheimatet in den Herzen aller Menschen.

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Der folgende Text ist ein gekürztes Kapitel aus dem Buch “Grace – Pilgerschaft für eine Zukunft ohne Krieg”

In ihrem Buch “Grace” beschreibt Sabine Lichtenfels ihre erste Pilgerschaft in Israel-Palästina im Jahr 2005. Viele weitere folgten. Aufgerüttelt vom drohenden Krieg gegen den Iran, mit der Frage, was ein einzelner Mensch tun kann, um kommende Kriege zu verhindern, entschloß sich Sabine Lichtenfels im Juni 2005 zu dieser Pilgerreise. Sie gibt ihren gesamten Besitz ab, geht weite Strecken zu Fuß und ohne Geld. Ihr Motor ist die Entscheidung, im Inneren die Strukturen aufzuspüren und zu verändern, die im Äußeren zu Krieg und Gewalt führen. Sie entdeckt dabei eine Kraft, die immer klarer und heller leuchtet. „GRACE“ ist ihre große Entdeckung: eine Verbundenheit mit der Schöpfung, eine ethische Orientierung, die sie befähigt, immer genauer und vertrauensvoller ihrer inneren Stimme zu folgen. Sie besucht Friedensgruppen, nimmt Teil an Meditationen, hält Vorträge und nimmt sich Zeit, für die unterschiedlichsten Menschen, die sie unterwegs trifft.
Ihre Reise führt sie von Deutschland über die Schweiz, Italien, Griechenland nach Israel/Palästina. Hier leitet sie zusammen mit Benjamin von Mendelssohn eine 40-köpfige Pilgergruppe von Israelis, Palästinensern und Internationalen drei Wochen lang durch die einzigartige Natur im Norden Israels, auf die andere Seite der Mauer in die besetzten Gebiete der Westbank, durch Flüchtlingslager und eine jüdische Siedlung bis nach Jerusalem. Im Namen von „GRACE“ kommt es zu Hilfsaktionen und ungewöhnlichen Begegnungen; Mauern der Angst und der Wut, die lange verschlossen waren, öffnen sich.
Mit großer weiblicher Autorität und Direktheit beschreibt eine Frau ihre Schritte gegen den Krieg. Es ist eine wahrhaftige und tiefe Humanität, die hier spricht. GRACE wirkt da, wo Menschen ganz zum Frieden und zur Selbstveränderung entschlossen sind.

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Auslöser meiner Pilgerschaft war die Frage: Was können wir tun, um den drohenden Krieg im Iran zu verhindern? Liegt es in unserer Macht, etwas Wirkungsvolles gegen die Globalisierung der Gewalt zu unternehmen?

Jetzt, nach allem, was ich in den letzten Monaten gesehen und erfahren habe, glaube ich mehr und tiefer denn je: Ja, es ist möglich, 30 Menschen können die Welt verändern. 30 Menschen, die voll und ganz entschieden sind, die Weichen in ihrem Inneren neu zu stellen, können Kriege verhindern. Mit Sicherheit geht es nicht auf dem Weg, dass sie sich gegen bestehende Verhältnisse richten. Es geht weder auf aktionistischem, noch auf rein spirituellem Weg. Politisches Handeln, spirituelle Verankerung, beharrliche Arbeit an sich selbst und Kooperationspartner, die sich in vollem Vertrauen verständigen können, müssen zusammenkommen. Diese entschlossenen Menschen müssen mit aller Macht dafür sorgen, dass soziale Strukturen und Lebensverhältnisse aufgebaut werden, die in der Lage sind, Kriegsvorgänge zwischen Menschen bereits in ihrer verborgenen Latenz zu entdecken und zu beenden. Sie müssen erkennen, dass ein Lebensmodell, in dem es keinen zwischenmenschlichen Krieg mehr gibt, auch nicht im Verborgenen, verändernde Wirkung auf das Ganze hat. Wenn dies an wenigen Orten ganz getan wird und ganz gelingt, hat es verändernde, feldbildende Kraft für die Welt.

Menschen, die es gelernt haben, zu lieben und sich nicht mehr vor der Wahrheit zu fürchten, werden sich an keinem Krieg mehr beteiligen. Mehr als das, sie können an allen Orten dieser Erde aufzeigen, wie es sich ohne Krieg leben lässt. Dies ist mein Credo, es wächst mit jeder Erfahrung. Ja, es ist so einfach und es ist so tief.
Aber was heißt das für das palästinensische Dorf Anata, was heißt das für Ramallah, für Bethlehem, für all die Orte, die wir besuchten? Und dies sind nur einige Beispiele, wo Menschen unter unwürdigen Verhältnissen leben müssen? Was heißt das für die Überwindung der Mauer? Was heißt das für das unendliche Leiden, das täglich auf dieser Erde geschieht und vor dem fast alle Menschen, die in besseren Verhältnissen leben und die Augen verschließen?
Das Leben in Anata geht weiter. Die Soldaten werden wieder kommen. Die jungen Menschen, die durch unser Auftreten in Anata das Wunder der Friedenskraft erfahren haben, werden am nächsten Tag doch wieder zu den Steinen greifen. Wie sollten sie auch durch unser kurzes Auftreten verstanden haben, worin das Geheimnis der Friedensmacht liegt?
Eine Ursache für den Krieg liegt in den falsch kanalisierten Sehnsüchten und Lebensenergien des Menschen. Ich wiederhole noch einmal: Glauben wir ernsthaft daran, dass die vielen jungen Soldaten, die jetzt für den Krieg bereitstehen, wirklich den Befehlen gehorchen würden, wenn sie eine andere Perspektive hätten für ihre Kraft, ihren Mut, ihre Sehnsucht nach Abenteuer und Gemeinschaft? Es ist der nicht erfüllte Hunger nach Gemeinschaft, nach Liebe und Religion, der uns in den kollektiven Wahnsinn getrieben hat. Es geht um den Austritt aus dem Wahnsinn der gegenwärtigen Zivilisation und um den Eintritt in eine neue Form des Lebens auf der Erde. (………….)
Meine Frage lautet: Wenn wir diese Zusammenhänge sehen, warum warten wir noch? Warum fahren wir noch fort mit unseren kleinen und großen Konflikten, mit unseren Kleinkriegen in der Liebe, mit unseren kleinen oder großen Bedürftigkeiten? Warum unternehmen wir nicht alles, um im eigenen Leben die heimlichen Mittäterschaften auszuräumen und die realen Möglichkeiten für Leben und Liebe zu verwirklichen, die uns von Gott gegeben sind? Warum halten wir fest an den Gewohnheiten der alten Welt, an Zweifeln, Diskussionen, Liebeskummer und Ersatzbefriedigungen? Warum ignorieren wir, was wir im Grunde schon wissen? Warum nehmen wir unsere Aufgabe nicht an?
Wir haben viele kurzfristige Wunder erlebt, wo sich angebliche Feinde auf einer viel tieferen Ebene als Freunde erkannten. Solche Wunder dürfen keine rein emotionalen Wunder bleiben. Wir selbst müssen erst einmal das menschliche System dieser Wunder ganz verstehen, um ihnen Dauer geben zu können. Erst wenn wir die Gesetze wirklich verstanden haben, die in der Liebe wirksam werden, können wir wirksam und dauerhaft verändernd eingreifen.

Kennen wir die fünf Grundregeln der Liebe?
Wissen wir, dass die Kriege, die wir in unseren Partnerschaften führen, mit den Kriegen in dieser Welt zusammenhängen? Sind wir bereit, die Verantwortung dafür anzunehmen und wirklich aus dem alten Netz von falscher Umklammerung, Erpressung und Forderung auszutreten?
Im Folgenden nenne ich fünf einfache Grundregeln der freien Liebe, an ihnen können wir unser tägliches Verhalten messen. Durch die Einhaltung dieser fünf Regeln würde sich mit Sicherheit eine neue Matrix auf Erden manifestieren.

1. Gott ist die Liebe, und jede Liebe hat ihren Anker in Gott. Wer zu lieben gelernt hat, vertraut auf die Liebe Gottes.
2. Liebe beginnt mit der Selbstakzeptanz. Wer gelernt hat, sich selbst zu lieben und zu bejahen, kann keine Gewalt mehr anwenden gegen irgendwen. Nur wer sich selbst bejaht, ist fähig, einen anderen Menschen zu lieben. Diese schlichte Regel steht schon in der Bibel: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
3. Liebe ist frei. Du kannst keinen Menschen an dich binden durch Besitzanspruch oder Rechtsanspruch. Du darfst niemanden zur Befriedigung deiner Bedürfnisse zwingen. Liebe und Lust sind Geschenke des Lebens, keine juristischen Gegenstände. Wenn du anfängst, Liebe und Sex einzufordern, kannst du sicher sein, dass du deine Spur verlassen hast. Kehre, so schnell du kannst, zu ihr zurück.
4. Du kannst nur treu sein, wenn du auch andere lieben darfst. Liebe kennt keine Umzäunungen und keine eifersüchtigen Verbote. Sie kennt die Anteilnahme und das unendliche Interesse aneinander und an der Welt. Wahre Liebe führt von selbst zur Treue.
5. Deine Liebe kann genau in dem Maße Dauer finden, wie du zur Wahrheit bereit bist. Unsere ganze Kultur ist ein Bollwerk gegen die Wahrheit. Wer wahrhaft lieben will, muss bereit sein, das Bollwerk in sich selber aufzulösen und die Wahrheit auch in kleinen und verborgenen Dingen zu riskieren. (………………)

GRACE könnte der Beginn einer weltweiten Bewegung für den Frieden sein. Wir können den Krieg verhindern! Die Friedensbewegung kann Kriege stoppen, wenn sie rechtzeitig, klug, strategisch, zahlreich und entschlossen handelt. Lasst uns nicht länger der Hypnose von Resignation, Ohnmacht und Enttäuschung folgen. Wir werden es schaffen, wenn sich weltweit entschlossene Menschen finden, die ab jetzt für ein Jahr nichts anderes tun, als sich bedingungslos für den Frieden einzusetzen. (…)

Die Erde ist nur noch zu retten, wenn die Menschheit eine Transformation vollzieht, wenn sie sich zu einer neuen Intelligenz und zu einer neuen Bereitschaft für Wahrheit und Solidarität aufrafft. Etwas muss geschehen, etwas, das tiefer greift und umfassender ist als alle bisherigen Revolutionen. Eine Weltrevolution, die im Wesentlichen nicht mehr gegen bestehende Systeme kämpft, sondern sich mit der Kraft einer höheren Ordnung verbindet: die Revolution der Liebe – und die Herstellung von Lebensverhältnissen, in denen sich die Daseinsform der Liebe dauerhaft entwickeln kann. Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist., die Idee einer weltweiten Friedensbewegung, in deren Zentrum der Gedanke der Aufbau globaler Friedensdörfer steht.

Für die Verwirklichung dieser Idee werde ich meine Pilgerschaft zur Humanisierung der Gelder fortsetzen. Die Friedensbewegung braucht den erkennenden Kontakt zur Funktionsweise des Geldes, ohne seinen Gesetzen zu unterliegen. Sie muss alte Feindbilder überwinden und mithelfen, dass eine humane Wirtschaftsweise entstehen kann.
Die Gelder, mit denen heute Kriege finanziert werden, würden ausreichen, um die gesamte Menschheit vor Hunger, Elend und Gewalt zu bewahren, wenn sie in geeignete Friedensprojekte investiert würden. Die Idee einer weltweiten Friedensbewegung, in deren Zentrum der Gedanke der Friedensdörfer steht, braucht den Kontakt zu einer größeren Öffentlichkeit. Sie braucht den Kontakt zu Wirtschaftsexperten und Spezialisten im Bereich der Ökonomie, die die Notwendigkeit eines solchen umfassenden Umdenkens schon lange sehen und unterstützen wollen. Mit dem Geld eines einzigen Panzers können wir einen kraftvollen Start setzen für den Aufbau der anvisierten Friedensdörfer in Nahost, Kolumbien, Indien oder Portugal.

Stellt euch vor: Jede Person tut das, was an ihrem Ort möglich ist, in dem Bewusstsein: „Ich kann die Veränderung sein, die ich in der Welt sehen will.“ Stellt euch vor: Weltweit entwickelt sich in geistiger Verbundenheit ein Netzwerk von Friedensprojekten, Zukunftsgemeinschaften und Heilungsbiotopen. Sie beherbergen gern alle Friedenspilger, die sich dem Unternehmen GRACE anschließen möchten und sich persönlich weiterentwickeln wollen. Immer mehr Menschen nehmen die Verantwortung für das Ganze und die notwendige Arbeit in den Teilbereichen mit Freude an. (…………)

Stellt euch vor: Es entsteht eine weltweite Gruppe entschlossener Menschen, die ihre wirtschaftlichen, politischen, publizistischen Möglichkeiten nutzen, um die Idee der Friedensdörfer zu unterstützen – ein globales „Syndikat für den Frieden“ (…….), das
dafür sorgt, dass die Nachrichten in die Welt kommen, dass überall auf der Erde erste Ausbildungsstätten zum Erlernen des Aufbaus von Friedensdörfern entstehen können, dass der weltweiten Friedensbewegung Herbergen und Treffpunkte als Oasen der Kraft und der Kooperation zur Verfügung stehen. Die anvisierte Weltgruppe für den Frieden könnte aus etwa 30 Personen bestehen. (…………..)

Ich grüße alle Freunde und FriedensarbeiterInnen auf diesem wundervollen Planeten Erde und wünsche uns allen, dass wir noch Zeuge werden von einem Leben ohne Krieg.

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