Der Steinkreis von Tamera

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Ergänzung statt Ausgrenzung, Kooperation statt Kampf

Photo: Der Steinkreis von Tamera, Peter Frank

Alle ursprünglichen Kulturen besaßen Kraftplätze, an denen sich die Menschen mit Energie auftanken, sich besinnen und mit dem Heiligen kommunizieren konnten. Kraftplätze sind Orte der Ruhe und des Kontaktes mit den Naturkräften. Es sind kultur- und religionsübergreifende Orte des Gebets und der Kommunikation mit dem, was wir als göttlich oder universell wahrnehmen.

Zur Erforschung der idealen Zukunftsgemeinschaft ließ Sabine Lichtenfels sich von der Vergangenheit inspirieren: Im Steinkreis Almendres bei Évora fand sie die Anregung, in Tamera einen modernen Steinkreis zu bauen, ein Gemeinschaftskunstwerk. Seine 96 Steine stehen für die 96 grundlegenden Archetypen einer Friedensgemeinschaft. Sein Kerngedanke heißt: Ergänzung statt Ausgrenzung, Kooperation statt Kampf.
Im April 1994 bereiste Sabine Lichtenfels Portugal und besuchte den Steinkreis Almendres bei Évora. Durch ihre langjährige spirituelle Forschung hatte sie gelernt, nicht nur auf sichtbare, sondern auch auf feinstoffliche Informationen zu achten. In Almendres spürte sie: Diese Steine waren von einer friedlichen und naturverbundenen Stammeskultur errichtet worden. Die bis zu drei Meter hohen Monolithen waren nicht zufällig angeordnet. Jeder der Steine schien einen Archetypen einer harmonischen Stammeskultur zu repräsentieren. Gespeichert in Stein und in der feinstofflichen Matrix ihrer Aufstellung bergen sie zeitlose und übergeschichtliche Informationen für eine gewaltfreie und wissende Lebensweise – geprägt von einer längst vergessenen Kultur, die während der Jungsteinzeit Portugal, aber auch viele andere Gebiete der Erde besiedelt haben muss.
Von dieser frühen globalen Kultur gibt es keine archäoische Funde, die auf Gewalt oder Verteidigungsanlagen schließen lassen. Immer mehr Geschichtsforscher gehen davon aus, dass es eine Zeit gab, wo Menschen ohne Krieg auskamen. Sie müssen ein Wissen über Frieden gehabt haben.

In den folgenden Jahren entschlüsselte Sabine Lichtenfels den Steinkreis von Almendres als Wissensschatz einer zutiefst friedlichen, archaischen Hochkultur. Sie schrieb darüber das Buch „Traumsteine – Reise in ein Zeitalter der sinnlichen Erfüllung“.

Einige Worte aus dem Buch:
Ich setzte mich in die Mitte des Kreises auf einen flach liegenden Stein und schloss die Augen. „Erinnere dich an deine Vergangenheit, lange vor dem Urchristentum”, war ein Satz, der sich immer wiederholte und den ich mir merkte. Schlagartig hatte ich das Gefühl, als sei ich zu Hause angekommen und als fiele eine große Anspannung von mir ab. „Du findest hier viele Informationen, die du zur Findung des richtigen Ortes und zum Aufbau deines Projekts brauchst. Du wirst noch oft hierher kommen.“ Ich wurde immer neugieriger.

Der Steinkreis blieb für Sabine Lichtenfels eine wichtige Inspirationsquelle. Die Idee reifte, auch in Tamera einen Steinkreis aufzubauen. Konkret wurde es durch die Zusammenarbeit mit Marko Pogačnik, Geomant und Landschaftsheiler aus Slowenien, und Peter Frank, seinem langjährigen Schüler. Sie halfen mit ihrem geomantischen Wissen, den Steinkreis von Tamera zu initiieren. Die „Ikone der Zukunft“ nahm Gestalt an.

Auf einer sanft ansteigenden Anhöhe genau in der Mitte des Geländes von Tamera wurde am 12. Oktober 2004 der erste Stein aufgestellt. Mittlerweile ist der Steinkreis vollendet: 96 teilweise mit Kosmogrammen bemeißelte Steine repräsentieren die wesentlichen archetypischen Kräfte einer Zukunftsgemeinschaft. Die Kosmogramme wurden im Lauf der Jahre mit viel Intuition und Kreativität von Mitgliedern der Gemeinschaft und Gästen, die sich mit den Archetypen verbunden fühlen, entwickelt.

Heute versammelt sich im Steinkreis von Tamera die Gemeinschaft an jedem Montagmorgen bei Sonnenaufgang, um mit dem „Ring der Kraft“ politische Heilungsgedanken in die Welt zu senden. Padre Javier Giraldo aus Kolumbien hielt hier eine christliche Messe, inspiriert von der Kirche der Befreiung. Die Friedensaktivistin Starhawk leitete hier ein heidnisches Ritual mit Tanz und Gesang. Tibetische Mönche aus Dharamsala ließen ihre Gebetsfahnen wehen. Und zu jeder Tages- oder Nachtzeit finden hier einzelne Menschen Ruhe für Meditation und Gebet. Es ist, als ob der Steinkreis in seiner Schlichtheit und Vollständigkeit verschiedensten Religionen und Denkrichtungen eine Heimat geben kann und Dogma und Ausgrenzung überflüssig macht.

 

Auszug aus dem Buch von Leila Dregger: Tamera. Ein Modell für die Zukunft

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